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Jörg Hellmuth, Landrat des Landkreises Stendal
Klaus Schmotz, Oberbürgermeister der Hansestadt Stendal
Michael Kleemann, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Stendal:Ja, ich mache mit, weil der christliche Glaube mich herausfordert, Stellung zu beziehen und weil ich mir Sorgen um die Demokratie in unserem Land mache. Alltagsrassismus, wachsende Gewalttätigkeit im öffentlichen Leben, Ausgrenzung gegenüber Andersdenkenden und die scheinbare Angst vor dem(den) Fremden gefährden den inneren Frieden in unserem Land.
Mehr denn je ist es in unserer Gesellschaft wichtig, allen menschenverachtenden Bestrebungen mit Deutlichkeit zu begegnen. Dazu braucht es zuallererst ein sichtbares bürgerschaftliches Interesse, weil es uns alle etwas angeht. Die kleine Schwester von Extremismus und Gewalt ist die Gleichgültigkeit. Deshalb ist "Hinschauen/Hingucken" die erste Bürgerpflicht. Wenn Menschen durch andere in ihrer Würde verletzt werden, dann müssen die Täter sich beobachtet fühlen. Nicht im Sinn von Neugierde und Gaffertum, sondern um den Skandal öffentlich zu machen.
Und es braucht das tatkräftige Einmischen! Das kann auf vielfältige Weise geschehen; Hilfe rufen, andere mobilisieren und gemeinsam dazwischen gehen; Noteingänge anbieten und mit öffentlichen Aktionen rechtsextremen Aufmärschen entgegentreten. Aber Kampagnen sind nicht genug. Die beste Stärkung der Demokratie ist der Wille zur Mitgestaltung. Das beginnt zuallererst in der Beteiligung an demokratischen Wahlen. Es braucht aber auch Mitgliedschaften in den demokratischen Parteien. Gerade bei uns im Osten Deutschlands haben "Parteibücher" immer noch einen negativen Beigeschmack. Demokratie lebt von Parteienvielfalt, aber auch dem eindeutigen Bekenntnis zur Demokratie. Parteien, die dies vermissen lassen, muss jede Form öffentlicher und privater Unterstützung entzogen werden.
Die Fußball-Weltmeisterschaft spielt gerade viel positive Energie in unser Land. Nationalbewusstsein und das öffentliche Bekenntnis zur National-Fahne gewinnen wieder erfreuliche Normalität; Boateng, Özil und Cacau bereichern unsere Nationalmannschaft und unterstreichen kräftig die wachsende Buntheit unserer Gesellschaft.
Darum, lassen Sie uns gemeinsam "hingucken" und uns "einmischen", für ein weltoffenes, tolerantes und demokratisches Sachsen-Anhalt!