Von traditionellem Handwerk zu modernem Schiffsausbau

Sommertour: Patrick Puhlmann besichtigt Tischlerei Berndt in Tangermünde.

Was 1935 als klassische Möbelproduktion begann, ist heute ein international ausgerichtetes Unternehmen für individuellen Innenausbau: Die Tischlerei Berndt aus Tangermünde verbindet handwerkliche Tradition mit moderner Fertigungstechnik und einer besonderen Spezialisierung auf den Schiffsinnenausbau. Dabei verliert Inhaber Tino Berndt aber nicht seine Heimat aus dem Blick, wie Patrick Puhlmann kürzlich erfuhr. Im Rahmen seiner Sommertour hat der Landrat die Tischlerei besichtigt.

Den Grundstein legte Tischlermeister Werner Berndt, der das Unternehmen 1935 gründete. Bis 1978 stand die Möbelproduktion im Mittelpunkt. Anschließend übernahm Wolfgang Berndt den Familienbetrieb. Seit 1990 entwickelte sich dieser zunehmend weiter, heute wird er in dritter Generation von Tino Berndt geführt. „Aus der klassischen Tischlerei ist ein moderner mittelständischer Betrieb geworden“, erklärte der Geschäftsführer. Auf rund 2.000 Quadratmetern Fertigungs- und Lagerfläche entstehen heute unter anderem Möbel, Türen und Treppen – ebenso wie komplette Innenausbauten. Moderne CNC-Technik ergänzt dabei das handwerkliche Können.

Eine besondere Entwicklung nahm die Tischlerei mit dem Einstieg in den Schiffsausbau. Anfang der 1990er Jahre, als die Tangermünder Werft ihre eigene Tischlerei schloss, wechselten schiffserfahrene Fachkräfte zu Berndt. Aus ersten Aufträgen für die Werft entwickelte sich ein neues Geschäftsfeld, das über die Jahre kontinuierlich ausgebaut wurde. Heute verfügt das Unternehmen über mehr als 20 Jahre Erfahrung im Schiffsinnenausbau. „Das macht mit etwa 80 Prozent auch den größten Teil des Umsatzes aus“; so Tino Berndt weiter.

Dabei geht es längst nicht nur um einzelne Möbelstücke. Die Mitarbeiter planen, fertigen und montieren komplette Innenbereiche von Schiffen – von Wänden, Decken und Böden über Möbel und Kabinen bis hin zu Restaurants und anderen öffentlichen Bereichen. Zum Einsatz kommen die Arbeiten sowohl auf Binnenschiffen als auch auf Kreuzfahrtschiffen und Yachten. „Der Schiffsausbau stellt dabei besondere Anforderungen an Präzision und Qualität“, machte der Betriebsinhaber deutlich. Bauteile müssen exakt passen, Materialien besonderen Sicherheitsanforderungen genügen und die Arbeiten häufig unter engem Zeitdruck erfolgen. Die Planung beginnt deshalb bereits am Computer: Tischlermeister und Konstrukteure entwickeln individuelle Lösungen, die anschließend mit moderner CAD- und CNC-Technik für die Fertigung vorbereitet werden.

Trotz der Spezialisierung ist die Tischlerei breit aufgestellt geblieben. Zum Leistungsspektrum gehören neben Möbel- und Innenausbau auch Türen, Treppen, Ladenbau, Objekteinrichtungen sowie Arbeiten an historischen Gebäuden. Alte Türen, Treppen und Fußböden können aufgearbeitet oder originalgetreu nachgebaut werden. „Wir wollen auch der Handwerker vor Ort sein, wissen, woher wir kommen“, so Tino Berndt. Damit reicht das Tätigkeitsfeld vom traditionellen Restaurierungshandwerk bis zu technisch anspruchsvollen Projekten auf modernen Schiffen.

Auch die Ausbildung gehört zur Unternehmensgeschichte. Heute beschäftigt die Tischlerei Berndt 38 Mitarbeiter, darunter fünf Auszubildende. Die Kombination aus klassischem Tischlerhandwerk, moderner Technik und ungewöhnlichen Einsatzorten macht die Ausbildung zu einem besonderen Bestandteil des Unternehmens. In diesem Zusammenhang dankte Norman Nyenhuis dem Landrat für die Organisation der jährlichen Ausbildungs- und Praktikumsbörse in Tangermünde. „Wir machen damit stets gute Erfahrung“, sagte der Betriebsleiter. Darüber hinaus habe das Unternehmen auch über die Jobmesse, die traditionell am 27. Dezember im Landratsamt stattfindet, schon Mitarbeiter gewonnen. Dabei wirkte auch die Landesinitiative „Fachkraft im Fokus“ mit. „Diese Vernetzung verschiedener Akteure ist eine besondere Stärke unserer Region“, erklärte Patrick Puhlmann.

Zuletzt hat die Tischlerei Berndt in die Digitalisierung investiert, als nächstes Projekt steht die Anschaffung eines Batteriespeichers auf dem Programm. „Angesichts der Energiesituation wollen wir damit etwas unabhängiger werden“, begründete Tino Berndt während eines Rundgangs durch die Werkstatt das Vorhaben. Dabei erklärte Nyenhuis verschiedene Arbeitsschritte – von der Anlieferung des Rohmaterials bis zur Montage. Dabei fiel dem Landrat auch ein Schaustellerwagen aus der Schweiz auf. „Der Kunde kam auf Empfehlung zu uns“, sagte der Betriebsleiter.

„Das spricht für Qualität, wenn es überregional Empfehlungen und damit Kunden gerade in so einem Nischenmarkt gibt“, betonte Patrick Puhlmann, der sich von dem breiten Tätigkeitsfeld beeindruckt zeigte. „Es ist ein ganz schöner Spagat, für große Projekte wettbewerbsfähig zu sein und dabei nicht die regionalen Kunden aus den Augen zu verlieren. Das gelingt der Tischlerei Berndt offenbar seit Jahrzehnten sehr gut“, ergänzte der Landrat.

So steht die Tischlerei Berndt beispielhaft für einen Wandel, den viele Handwerksbetriebe anstreben: Die Wurzeln bleiben im traditionellen Handwerk, gleichzeitig werden neue Märkte, Technologien und anspruchsvolle Spezialgebiete erschlossen. „Von Tangermünde in die Welt“, wie Tino Berndt es beschreibt, entstehen damit nicht nur Möbel und Innenräume für Gebäude – sondern auch Ausbauten, die später auf Flüssen und Weltmeeren unterwegs sind. „Die Auftragsbücher sind bis weit ins Jahr 2027 hinein gut gefüllt“, so der Geschäftsführer. „Das ist heutzutage nicht selbstverständlich“, kommentierte Puhlmann abschließend.