Unter dem Titel „alpha*beten“

Prignitz-Museum eröffnet neue Sonderausstellung am Samstag, 28. März, um 15 Uhr.

Unter dem Titel „alpha*beten“ zeigt das Prignitz-Museum am Dom Havelberg ab Samstag, 28. März, seine neue Sonderausstellung. Sie präsentiert zeitgenössisch-bildkünstlerische Durchdringung der jahrtausendealten Kulturtechnik „SCHRIFT“ von Micha Brendel. Die Ausstellung wird um 15 Uhr eröffnet und ist bis 28. Juni dienstags bis sonntags in der Zeit von 10 bis 17 Uhr zu sehen.

Seit mehr als zehn Jahren entwickelt der Künstler seine „Verschriftungen“, die er als Ausstellungsreihe bewusst in Klöstern und Kirchen zeigt – dort also, wo das Schreiben, Kopieren und Illuminieren historisch in besonderer Weise verwurzelt ist.

Brendels Arbeiten der Ausstellung liegt eine intensive Beschäftigung mit Schreibkulturen zugrunde, die von der sumerischen Keilschrift bis zu zeitgenössischen Computerschriften reicht. Dabei löst er die Schrift von sprachlichen Codierungen. Nicht als Bedeutungsträger ist die Schrift für ihn von Interesse, sondern als bildliche Gestalt. Buchstaben treten verdreht, gespiegelt, frei erfunden auf; sie sind seriell angeordnet oder zu Zeichenklumpen gebündelt. Dem Wunsch, die Zeichen zu entziffern, widersetzen sich die „Verschriftungen“ konsequent. Auch die Bildtitel führen bei dieser Suche nicht weiter. Sie bilden eine zusätzliche Ebene sprachlichen Spiels – humorvoll, verrätselnd oder ironisch.

Das Prignitz-Museum im ehemaligen Prämonstratenser Chorherrenstift ist für die Ausstellung ein überaus geeigneter Ort. Hier befand sich im Mittelalter eine bedeutende Bibliothek und zwei im Museum ausgestellte Fragmente von Handschriften auf Pergament schlagen eine Brücke zu Brendels „Verschriftungen“.

Micha Brendel wurde 1959 in Weida (Thüringen) geboren und studierte an der Hochschule für Bildende Künste Dresden bei Prof. Günter Hornig. Er gründete und trat mit den „Auto-Perforations-Artisten“ auf und wirkte ab 1987 als freiberuflicher Künstler in Berlin. Seit dem Jahr 2012 ist Brendel „Verschrifter“, Kurator und Autor in Hohendorf/Mark.

Zur Ausstellung gibt es am 30. Mai um 15 Uhr eine Begleitveranstaltung mit dem Vortrag des Germanisten Dr. Klaus Michael und einem anschließenden Gespräch mit Micha Brendel zu „Die Bibliothek von Babel“. Das Projekt wird gefördert durch die Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt.