Landrat startet Lavendelernte in Osterburg

Sommertour: Patrick Puhlmann informiert sich bei Living Mamsell über Anbau und Nutzen.

Nicht in der französischen Provence, im Rosental (Bulgarien) oder der Toskana (Italien), sondern in Osterburg hat am Wochenende die Lavendel-Ernte begonnen. Zwar reichen die lilafarbenen Felder von Living Mamsell nicht bis zum Horizont, ein Blickfang sind sie dennoch. Im fünften Jahr erntet Aileen Maasdorff auf 7.000 Quadratmetern Lavendel, um daraus Öl zu gewinnen. Gleich zu Beginn hat in diesem Jahr Patrick Puhlmann im Rahmen seiner Sommertour mit angepackt.

„Die Lavendelernte erreicht ihren Höhepunkt in den Sommermonaten, wenn die Blüten in voller Pracht stehen und ihr intensives Aroma entfalten“, erklärte Maasdorff dem Landrat. Auf dem kleinen Feld nahe der Hansestadt Osterburg war es am Wochenende soweit. Die Bedingungen waren ideal: ein trockener, sonniger Vormittag, nachdem der Tau vollständig abgetrocknet war. Zu diesem Zeitpunkt entfalteten die Blüten den höchsten Anteil an ätherischen Ölen, die für Duft, Geschmack und Qualität entscheidend sind.

„Geerntet wird möglichst kurz vor oder zu Beginn der Vollblüte, da dann Farbe, Duft und Wirkstoffe optimal ausgeprägt sind“, so Maasdorff weiter. Regen unmittelbar vor der Ernte kann den Ölgehalt mindern und die Trocknung erschweren. Deshalb achten professionelle Anbauer ebenso wie Hobbygärtner auf eine stabile Schönwetterphase. Jeden Schritt hat die Osterburgerin am idyllischen Feldrand erklärt. „Nach dem Schnitt werden die Lavendelbündel luftig und schattig aufgehängt, damit die Blüten langsam trocknen und ihr charakteristischer Duft erhalten bleibt.“ Insgesamt zehn Jahre kann Lavendel von einer Fläche geerntet werden, ehe der Boden sich ein Jahr lang regenerieren muss.

Ein Liter Öl braucht 500 Kilogramm getrocknetes Lavendel

Maasdorff stellte Puhlmann vor, dass ihre Familie im Besitz landwirtschaftlicher Flächen ist, auch Pferde hält und bei den heutigen Herausforderungen an die Landwirtschaft mit langen Trockenperioden nach neuen Wegen gesucht hat, die sandigen Böden zu nutzen. „So entstand die Idee mit dem Lavendel. Er ist in der Wertschöpfung mit Raps und Getreide nicht zu vergleichen“, machte Aileen Maasdorff deutlich. Ihre Pflanzen haben sich in den vergangenen fünf Jahren gut entwickelt, erzählte sie weiter. 500 Kilogramm getrocknetes Lavendel benötigt sie, um einen Liter Öl daraus zu gewinnen. Nach dem Prinzip der Direktvermarktung verkauft Maasdorff aber auch Blüten, Säckchen und Raumduft. Dafür hat sie auch einen eigenen Online-Shop, wie sie dem Landrat erklärte.

Nachdem sich Living Mamsell und ihr Lavendel in der Altmark etabliert hat, wuchsen bei Aileen Maasdorff zuletzt bereits weitere Ideen und Pläne. So verfolgt sie das Ziel, ihren Lavendel als Rohstoff für Seifen und Waschmittel an größere Konzerne liefern zu können. Entsprechende Investitionen sind geplant, „es bleibt aber immer ein Manufaktur-Charakter“, sagte sie. Ebenso hat Maasdorff Gedanken daran, auch mit Kräutern zu arbeiten. Aktuell steht aber zunächst die Ernte im Vordergrund. Diese dauert auf ihrer kleinen Fläche etwa zwei Wochen. („Ich bin dankbar, dass ich dafür zahlreiche Hilfe erhalte.“) Darüber hinaus begrüßt sie gern Gruppen auf ihrem Feld, organisiert kleinere Veranstaltungen in Nachbarschaft zum Lavendel und klärt über dessen Vorteile auf.

„Es ist beeindruckend, mit welchem langen Atem Aileen Maasdorff hier Pionierarbeit leistet“, sagte Patrick Puhlmann. Denn eines wurde deutlich: Es gibt keine Blaupause, von der die Osterburgerin sich etwas abgucken kann. Auch die Lavendelbauern in der Provence haben ihr zwar Pflanzen verkauft und nach Deutschland geliefert, doch „in ihre Arbeit geben sie nicht wirklich Einblick“, so Maasdorff. „Ich freue mich über den Mut, dieses Risiko einzugehen und hier bei uns ein so ein Nischenprodukt anzubauen und etablieren zu wollen“, ergänzte der Landrat abschließend.