Historische Turmkappe und Ziegel lagern auf dem Dachboden

Sommertour: Landrat zu Besuch bei Dachdecker Stephan Tietz.

Wer in Büste die Dorfstraße in Richtung Westen passiert und schon einen Blick auf den Kirchturm richtet, dem bleibt eine große bunte Wand nicht verborgen. Unmittelbar vor dem Gotteshaus verkleiden verschiedenfarbige Ziegel einen früheren Schweinestall, der seit den 1990er Jahren dem Handwerk dient. Hier ist der Sitz von Dachdeckermeister Tietz. In vierter Generation wird der Betrieb, wie Patrick Puhlmann im Rahmen seiner Sommertour erfuhr, von Stephan Tietz geführt.

Zur Begrüßung gab der Dachdeckermeister dem Landrat einen Einblick in die Historie des Familienbetriebs. Dazu zeigte er Rechnungen aus den Jahren 1935/1936 von seinem Opa Reinhold Tietz. „Ordnung war offenbar schon damals wichtig, wenn man sieht, dass die Rechnung auf vorgedrucktem Papier geschrieben wurde“, zeigte sich Puhlmann überrascht von diesem Relikt der Vergangenheit. An den Wänden der Büroräume präsentiert Tietz auch die Meisterurkunden seiner Vorfahren und von sich selbst voller Stolz. Dabei berichtete er dem Landrat, dass er selbst erst mit der zweiten Ausbildung zum Dachdecker wurde. „Zuerst habe ich eine Lehre als Elektriker gemacht“, so Stephan Tietz.

Heute engagiert er sich in der Innung, prüft etwa Auszubildende am Ende ihrer Lehrzeit und begleitet sie bis zur Freisprechung. „Selbst haben bei uns auch zwei junge Menschen erst kürzlich ihre Ausbildung erfolgreich abgeschlossen und erwarten nun ihre Freisprechung“, erklärte Tietz. Darauf ist er besonders stolz, hatte er doch viele Jahre Schwierigkeiten, überhaupt Jugendliche für einen Ausbildungsplatz zu finden. „Für dieses Jahr hat sich bisher auch niemand gefunden“, ergänzte Silke Tietz. Sie kümmert sich um die Verwaltung des Familienbetriebs mit acht Angestellten, der hauptsächlich für Privatkunden im Umkreis von 30 Kilometern arbeitet. „Die Bürokratie bei öffentlichen Aufträgen ist für uns kleinen Betrieb einfach zu groß“, so Silke Tietz weiter.

Bei einem kleinen Rundgang über das Firmengelände erläuterte Stephan Tietz, für welche Zwecke der Schweinestall einst umgebaut wurde und wie sich sein Handwerk inklusive Technik seither weiterentwickelt hat. Dabei sprach er auch die Baustoffkrise zu Corona-Zeiten an. „Damals haben wir bis zu 15 Dächer auf Lager gehabt, um immer arbeitsfähig zu bleiben, weil so viel nicht lieferbar war“, erklärte Stephan Tietz. Auf dem Dachboden zeigte der Dachdeckermeister dem Landrat noch ein paar Schätze, teilweise aus Handarbeit, welche bei Sanierungsarbeiten gefunden wurden. „Historische Ziegel mit alten Stempeln bewahren wir bei uns auch auf“, verriet er.

Stephan Tietz scheut sich aber auch nicht davor, die Mittel und Möglichkeiten seines Betriebs in das Dorfleben einzubringen. „Das gehört in so einer kleinen Gemeinde dazu“, so der Dachdeckermeister, der auch im Ortschaftsrat aktiv ist. Seine Frau Silke engagiert sich derweil in der Kirche. „Egal, wie die Organisation heißt, am Ende sind es doch immer dieselben zehn Leute in einer Gemeinde, die das Zepter des Handelns in die Hand nehmen und alle anderen mitreißen“, schätzt Stephan Tietz ein und erntete dafür Lob von Patrick Puhlmann: „Ich bin stolz darauf, dass wir so auch über die Arbeit hinaus engagierte Handwerker in unserem Landkreis haben. Das ist etwas, was uns von großen Städten unterscheidet.“