Vom „Seiteneinsteiger“ zum Kreisbrandmeister

Landrat Patrick Puhlmann und 80 Gäste verabschieden Ringhard Friedrich.

Mit Wirkung zum 30. Juni 2024 endet die zweite und damit letzte Amtszeit von Ringhard Friedrich als Kreisbrandmeister des Landkreises Stendal. Als seinen Nachfolger hat der Kreistag bereits René Tangelmann berufen. Dieser hat Friedrich als erster begrüßt, als der Ehrengast des Tages nebst Gattin Christes am Donnerstagabend von den Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Osterburg zu deren Gerätehaus chauffiert wurde. Dort wurde er vor etwa 80 Gästen, von der Landesebene über Kommunalpolitik bis hin zu den Kameraden der Feuerwehren, von Landrat Patrick Puhlmann feierlich verabschiedet.

Das kleine „Schauspiel“ begann mit dem Einmarsch der etwa 50 Feuerwehr-Kameraden, die von Michael Schneider dirigiert wurden. Der Chef des Landesfeuerwehrmuseums in Stendal ging in seiner Darbietung bis in die Anfänge der Feuerwehren zurück.

Als Dienstherr übernahm dann der Landrat das Wort. Dabei führte er die Anwesenden einmal durch die Laufbahn des scheidenden Kreisbrandmeisters, der im Jahr 1993 im Alter von 36 Jahren seinen Weg in die Freiwillige Feuerwehr Walsleben, seinem Heimatort, fand. „Dein Beweggrund war damals keine Brandkatastrophe, sondern ein Beitrag zum Leben in der Dorfgemeinschaft“, richtete sich Puhlmann an Friedrich, der noch im selben Jahr mit zahlreichen Ausbildungen begann.

Der Landrat führte an, dass Ringhard Friedrich sich aber auch überregional als idealer Vertreter des Kreises erwiesen und an zahlreichen Projekten mitgewirkt habe. Etwa zählte er zur Arbeitsgruppe zur Novellierung des Brandschutzgesetzes.

„Fachlich bei Einsätzen muss man dich nicht lange rufen, du bist vor Ort. Das gilt beim Großeinsatz in der Region, aber auch wenn Feuerwehren aus dem Landkreis im Rahmen der Katastrophenhilfe in andere Regionen ausrücken. Dann trifft dich streng genommen keine Zuständigkeit, aber da hält dich nichts auf“, so Patrick Puhlmann weiter. Er erläuterte, dass Friedrich beim Einsatz des Fachdienstes Brandschutz beim Hochwasser in Mansfeld-Südharz am Sonntagmorgen um 5 Uhr am Sammelpunkt in Lüderitz stand, um die Kameraden zu verabschieden. „Du machst das einfach aus Respekt und aus Verantwortung.“

In seiner Festrede stellte der Landrat auch die besondere Nähe des scheidenden Kreisbrandmeisters zu seinen Feuerwehren heraus: „Obwohl dein Terminkalender voll ist, bin ich der Überzeugung, hast du jedes Feuerwehrhaus im Landkreis mindestens zwei Mal oder öfter betreten. Kein Jubiläum, keine Dankesveranstaltung, bei der du alles Mögliche getan hast, um dieser Wehr die Ehre zu erweisen, Kameraden zu ehren oder einfach nur da zu sein und ein offenes Ohr zu haben. Dies galt genauso für Kinder- und Jugendfeuerwehren, denn dass der Nachwuchs entscheidend ist, braucht man dir nicht klarzumachen.“

Für die letzten Amtstage wünschte der Landrat dem Kreisbrandmeister Ruhe. „Auf eine Großschadenslage deutet angesichts der feuchten Witterung wenig hin“, so Puhlmann. „Dennoch geht es für dich gleich weiter. Beim Kreisfeuerwehrtag gehst du in die Vollen und direkt danach folgt das Treffen der Alters- und Ehrenabteilung. Das zeigt: Du hast es dir verdient, hier auch ein paar Abstriche zu machen und dich anderen Hobbies und der Familie zu widmen. Ich bitte dich aber, dass du uns als Ansprechpartner treu zur Stange hältst“, schloss der Landrat seine Rede ab und überreichte Friedrich als Erinnerung einen Bildband.

Für Tamara Zischang, Innenministerin des Landes Sachsen-Anhalt, überbrachte Lutz Georg Berkling die besten Grüße. Stellvertretend für die Einheits- und Verbandsgemeinde-Bürgermeister ergriff Annegret Schwarz das Wort und sagte: „einfach danke“. Nico Schulz, Bürgermeister der Einheitsgemeinde Hansestadt Osterburg, schloss sich ihr an und verlieh Friedrich sogleich die Anstecknadel seiner Hansestadt in Stufe III für dessen langjährige Tätigkeit im Brandschutz.

In die Reihe der Redner reihte sich auch Kai-Uwe Lohse ein. Der Vorsitzende des Landesfeuerwehrverbandes und Kreisbrandmeister im Landkreis Harz betonte, dass Friedrich auf Landesebene „stets gern gesehen“ war. „Wir haben auch etwas Gemeinsames: Als du 1993 bei der Feuerwehr angefangen hast – heute würde man sagen als Seiteneinsteiger, bin ich Kreisbrandmeister geworden. Insofern haben wir eine gemeinsame Zeit verbracht und ich bin dir für zahlreiche Tipps und Hinweise dankbar“, so Lohse.

Am Ende gehörte das Wort aber allein Ringhard Friedrich, der in der von ihm bekannten Bescheidenheit allen Gästen für ihre Anwesenheit dankte, immerhin lief auch zeitgleich die Fußball-Europameisterschaft. „Das zeigt mir, dass ich vielleicht nicht alles verkehrt gemacht habe“, so der Kreisbrandmeister etwas verlegen. Er zog ein positives Fazit unter seine zwölfjährige Tätigkeit in dieser Funktion. „Es gab schöne und interessante Momente aber auch tragische Anlässe“, so Friedrich, der sich für die vertrauensvolle Zusammenarbeit beim Dienstherren und allen Weggefährten bedankte. Dabei vergaß er auch nicht das Feuerwehrtechnische Zentrum (FTZ) in Arneburg, die Integrierte Leitstelle in Stendal sowie die Bürgermeister und andere „Blaulicht“-Organisationen wie das Technische Hilfswerk und die Johanniter.

Der scheidende Kreisbrandmeister wandte sich auch an die Kreistagsmitglieder und warb dafür, auch in Zukunft dem FTZ und dem Brandschutz die nötige Aufmerksamkeit und Unterstützung zu schenken. Friedrich dankte den Kreisbrandmeistern der Nachbarkreise und hob besonders den Landkreis Lüchow-Dannenberg hervor.

Nicht zuletzt dankte Ringhard Friedrich seiner Frau Christel, die „kampferprobt“ war. „Ihr Vater war Wehrleiter. Sie hatte es mitbekommen, was dazugehört, eine Wehr zu leiten. Deswegen hat sie mir auch nicht die Freundschaft gekündigt, als ich diese Aufgabe angetreten habe. So manches Mal ging es darum, dienstliche und familiäre Termine in Einklang zu bringen. Dies gelang nicht immer, aber sie hat mich immer unterstützt. Dafür dir vielen Dank, liebe Christel.“

Seine stärkste Motivation, so führte er weiter aus, „wart in all den Jahren ihr, werte Kameradinnen und Kameraden“, erklärte Ringhard Friedrich und fügte hinzu: „Ich wollte das in mich gesetzte Vertrauen eurerseits rechtfertigen und euch nicht enttäuschen. Mir war es wichtig, dass ich nicht nur Kreisbrandmeister in guten, sondern auch in schlechten Zeiten bin.“ Zuletzt äußerte er noch einen Wunsch: „Bitte übertragt das gute kameradschaftliche Miteinander fließend auch auf meinen Nachfolger.“

Im Anschluss daran gab es für Friedrich und seine Frau noch eine Überraschung. Osterburgs Wehrleiter Sven Engel lud das Paar ein, einmal einen Rundblick mit der Drehleiter über Osterburg zu werfen. In der Folge erreichten den Kreisbrandmeister zahlreiche Glückwünsche und Geschenke, ehe auf das bevorstehende Ende der Dienstzeit angestoßen wurde.