Vielfaltsparcours eröffnet neue Perspektiven auf Teilhabe und Verwaltung

Studierende und Auszubildende von Hansestadt und Landkreis Stendal werden für Teilhabe sensibilisiert.

Mit Unterstützung der Auslandsgesellschaft Sachsen-Anhalt (AGSA) hat das Örtliche Teilhabemanagement (ÖTHM) im Landkreis Stendal kürzlich elf Studierenden und Auszubildenden der Stadt- und Kreisverwaltung Stendal neue Perspektiven auf Teilhabe und Verwaltung eröffnet. Im Rahmen eines Vielfaltparcours war es das Ziel, die Teilnehmer für die Lebensrealitäten unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen zu sensibilisieren und die Bedeutung von Barrierefreiheit im Verwaltungshandeln erlebbar zu machen.

Zum Auftakt setzten sich die jungen Verwaltungsnachwuchskräfte mit Rollenbildern, Vorurteilen und gesellschaftlichen Zuschreibungen auseinander. Anhand bewusst provokanter Aussagen wie „Er ist an den Rollstuhl gefesselt“ oder „Tapfer meistert sie ihr Schicksal“ diskutierten sie den Einfluss von Sprache auf die Wahrnehmung von Menschen mit Behinderungen.

Anschließend verdeutlichte ein Sensibilisierungsspiel, wie unterschiedlich gesellschaftliche Teilhabechancen verteilt sein können. Die Teilnehmenden schlüpften in verschiedene Rollen, die sich unter anderem hinsichtlich sozialer Herkunft, Familienstand oder Behinderung unterschieden. Auf Aussagen wie „Wenn am Sonntag Landtagswahl wäre, könnte ich uneingeschränkt wählen gehen“ reagierten sie mit Schritten nach vorne oder hinten. Am Ende der Übung standen einige Personen weit vorne im Raum, andere deutlich zurück. Dadurch wurde sichtbar, dass Menschen trotz gleicher Rechte nicht immer die gleichen Zugangsmöglichkeiten zu gesellschaftlichen Angeboten haben.

Im weiteren Verlauf gab das ÖTHM einen Einblick in das Thema „Teilhabe und Verwaltung“. Es verdeutlichte, welche Rolle Verwaltungen dabei spielen, Informationen verständlich zugänglich zu machen und Dienstleistungen so zu gestalten, dass alle Menschen ihre Rechte und Möglichkeiten gleichermaßen wahrnehmen können. Hierbei machten sie auch auf die Arbeit der Gleichstellungsbeauftragten und Beauftragten für Menschen mit Behinderung sowie der Schwerbehindertenvertretung aufmerksam.

Ergänzt wurde der Input durch ein Gespräch mit Experten in eigener Sache. Zu Gast waren Marcus Graubner vom Allgemeinen Behindertenverband, der selbst Rollstuhlfahrer ist sowie Annemarie Kock von der Ergänzenden Unabhängigen Teilhabeberatung, die blind ist und Jürgen Lenski von der Altmärkischen Bürgerstiftung. Die Teilnehmer nutzten die Gelegenheit, Fragen zu stellen und mehr über den Alltag der Gäste zu erfahren. Besonderes Interesse galt dabei der Nutzung digitaler Angebote. Das gemeinsame Fazit lautete, dass digitale Lösungen, Sprachsteuerung und Künstliche Intelligenz den Alltag erheblich erleichtern können. Gleichzeitig dürfen persönliche Ansprechpartner und analoge Zugangswege nicht vollständig ersetzt werden.

Nach einer kurzen Pause folgte der praktische Teil des Vielfaltsparcours. Die Nachwuchskräfte erhielten in drei Gruppen die Möglichkeit, die Verwaltung aus unterschiedlichen Perspektiven zu erleben. Dafür standen Rollstühle, Sehbehinderungs- beziehungsweise Blindheitssimulationen sowie ein Alterssimulationsanzug und Rollatoren zur Verfügung.

Die Rollstuhl- und Rollatornutzer, deren Hilfsmittel vom Sanitätshaus Strehlow bereitgestellt wurden, erlebten unmittelbar die Bedeutung eines funktionierenden und gut erreichbaren Aufzugs. Die Gruppe mit Sehbehinderungs- und Blindheitssimulation erkundete den Weg zur nächstgelegenen Bushaltstelle und erhielt von Kock nützliche Hinweise. Die Teilnehmer im Alterssimulationsanzug erfuhren, welche Herausforderungen Treppensteigen oder das Ausfüllen von Formularen im Alter mit sich bringen können.

Zum Abschluss reflektierten die angehenden Verwaltungskräfte ihre Erfahrungen. Sie betonten, dass der Vielfaltsparcours ihnen neue Perspektiven eröffnet und ihr Verständnis für die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen gestärkt habe.