Schulung zu Inklusion im Jugendclub Eckstein

Praxisnahe Einblicke für Teilnehmer

Im Rahmen der Juleica-Ausbildung des Teams der Eckstein Sozialdiakonie hat das Örtliche Teilhabemanagement im Landkreis Stendal am 30. März 2026 in enger Zusammenarbeit mit verschiedenen Netzwerkpartnern eine Sensibilisierungsschulung zum Thema Inklusion organisiert. Die Veranstaltung fand in den Räumlichkeiten des Jugendclub Ecksteins im Stendaler Stadtseegebiet statt. Insgesamt nahmen elf erwachsene Ehrenamtliche, Bundesfreiwilligendienstleistende und weitere Engagierte aus der Jugendarbeit teil.

Zum Auftakt begrüßten Annemarie Kock von der Ergänzenden Unabhängigen Teilhabeberatung (EUTB) und Johanna Michelis vom Örtlichen Teilhabemanagement die Teilnehmenden und führten durch eine Vorstellungsrunde sowie die Klärung der Erwartungen. Dabei wurde deutlich, dass Begrifflichkeiten nicht immer eindeutig sind, jedoch bereits viele Berührungspunkte mit der Thematik bestehen, etwa durch betroffene Angehörige oder durch wahrgenommene barrierefreie Umgestaltungen wie am Stendaler Bahnhof. Im anschließenden theoretischen Einstieg wurden grundlegende Fragen behandelt: Was bedeutet Inklusion? Welche aktuellen Zahlen und Fakten gibt es? Und welche Unterstützungsangebote stehen im Landkreis zur Verfügung?

Im weiteren Verlauf erhielten die Teilnehmenden praxisnahe Einblicke in verschiedene Themenbereiche. Neben Annemarie Kock und Johanna Michelis stellte auch Marcus Graubner vom Allgemeinen Behindertenverband e.V. Stendal und Umgebung seine Arbeit vor. Dabei betonte Annemarie Kock, dass es ein zentrales Anliegen ihrer Arbeit sei, Begegnungen zu schaffen und vermeintliche Berührungsängste abzubauen.

Im Themenblock „Sehbehinderung“ stellte Annemarie Kock verschiedene Hilfsmittel vor, darunter die App „Be My Eyes“ sowie ihre Braillezeile. Sie ermöglichte erste Erfahrungen mit der Brailleschrift, berichtete von ihrer eigenen Kindheit mit Blindheit und las zwei selbst verfasste Texte vor.

Im anschließenden Themenblock „Autismus“ vermittelte Karina Gyhra vom Autismus Verband Altmark (AVA e.V.) grundlegendes Wissen und stellte unterstützende Hilfsmittel vor. Das Interesse an der Thematik war groß und die Teilnehmenden brachten zahlreiche Fragen ein. In einer lebendigen Diskussion wurde unter anderem vertiefend auf Begriffe wie Stimming, Masking und Safe Food eingegangen. Dabei wurde deutlich, dass Autismus nicht als Defizit verstanden wird, sondern als facettenreiche Form der Neurodiversität mit ganz unterschiedlichen Ausprägungen: „Wenn du einen autistischen Menschen kennst, dann kennst du einen autistischen Menschen“, so Karina Gyhra.

Im zweiten Teil der Schulung lag ein besonderer Schwerpunkt auf der praktischen Selbsterfahrung: In einem Rollstuhl- und Blindenparcours sowie bei der anschließenden Erkundung der Umgebung konnten die Teilnehmenden selbst erleben, welchen Herausforderungen Menschen mit Behinderungen im Alltag begegnen. Unterstützt wurden sie dabei unter anderem vom Sanitätshaus AtO Stendal, das Rollstühle und Hindernisse bereitstellte. Gemeinsam mit Marcus Graubner und Thomas Rösicke, die beide im Rollstuhl sitzen und wertvolle Tipps gaben, meisterten die Teilnehmenden verschiedene Hürden.

„Die Selbsterfahrungsübungen haben bei vielen Teilnehmenden einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Sie fördern Verständnis und Empathie auf eine Weise, die reine Theorie nicht leisten kann“, betonte die Örtliche Teilhabemanagerin Johanna Michelis.

Da der Altmärkische Gehörlosenverein nicht persönlich anwesend sein konnte, wurden zwei Videos gezeigt, die den Teilnehmenden die Gehörlosenkultur sowie die Gebärdensprache näherbrachten. Die begleitenden Erläuterungen übernahm Johanna Michelis stellvertretend und vermittelte den Teilnehmenden erste praktische Einblicke, indem sie ihnen zeigte, wie sie ihre Vornamen mithilfe des Fingeralphabets buchstabieren können. Ein gemeinsamer Schnupperkurs in Gebärdensprache ist bereits geplant: Reiko Lühe, 2. Vorsitzender des Altmärkischen Gehörlosenvereins und Vorsitzender des Inklusionsbeirates, wird diesen im Herbst durchführen.

Marcus Graubner, der den gesamten Tag begleitete, zog ein positives Fazit: „Inklusion beginnt im Kopf. Es ist wichtig, frühzeitig Berührungsängste abzubauen und Wissen zu vermitteln – gerade im eigenen Team der Jugendarbeit“. Zugleich verwies er auf einen weiteren Projekttag Mitte April an der Comenius-Sekundarschule in Stendal.

Die Veranstaltung endete mit einer gemeinsamen Reflexionsrunde, in der die Teilnehmenden ihre Eindrücke austauschten und Impulse für ihre zukünftige Arbeit mitnahmen.

Mit solchen Angeboten leisten das Örtliche Teilhabemanagement im Landkreis Stendal und seine Netzwerkpartner einen wichtigen Beitrag zur Förderung von Inklusion in der Region