Ortschaft kämpft um ihre Tankstelle
Sommertour: Patrick Puhlmann würdigt ehrenamtliches Engagement in Sandau.
Die Geschichte um die Tankstelle in Sandau (Elbe) kommt glücklicherweise zu keinem Ende – zu mindestens vorerst. War diese nach über zwei Jahren Stillstand erst im November 2024 von Sven Böneker wiedereröffnet worden, stand ihre Zukunft kürzlich erst wieder auf dem Spiel. Ein Schicksalsschlag rief erneut die Ortsgemeinschaft auf den Plan. Das hat sich Landrat Patrick Puhlmann im Rahmen seiner Sommertour spontan vor Ort zusammen mit Verbandsgemeinde-Bürgermeisterin Steffi Friedebold angesehen.
Während die Tankstelle in Sandau von 2021 bis 2024 geschlossen war, kam mancherorts die Frage auf: braucht es diese überhaupt? Als mit Böneker ein neuer Eigentümer auf der Suche nach einem Kraftstoff-Zulieferer war, bekam er überwiegend absagen – allen voran von den namhaften Mineralölkonzernen. An den Standort Sandau glaubte keiner – nur Böneker und die Bürger vor Ort. Erst durch Stadtratsmitglied Ruud Engelse entstand der Kontakt zu TinQ, seither erstrahlt das Objekt in der Bahnhofstraße in einem filmreifen Look und trägt den Namen „Roadhouse 107“. Der Betrieb läuft, was auch Puhlmann sah: In gut einer Stunde kamen Kunden – motorisiert oder auf dem Fahrrad – beinahe im Minutentakt. Jeder zweite von ihnen nicht nur wegen Kraftstoff, sondern auch im Shop war Betrieb.
Einer fehlte aber hinter dem Tresen: Böneker selbst. Der Inhaber erlitt kürzlich einen gesundheitlichen Schicksalsschlag, kann seither nicht arbeiten. Dies rief erneut die Sandauer Gemeinschaft auf den Plan. „Die Tankstelle hat täglich von morgens bis abends geöffnet. Eine Person kann das nicht stemmen“, erklärte Jenny Zilcher. Die Stadträtin hat Böneker schon auf dem Weg zur Eröffnung begleitet. „Es gibt derzeit zwei Teilzeitkräfte, die einen Teil des Tages den Betrieb abdecken“, so Zilcher weiter.
„Die restliche Zeit steht Sven Böneker normalerweise selbst an der Kasse, weil das Unternehmen für mehr Angestellte noch nicht genügend einbringt“, sagte Jenny Zilcher. Durch die Erkrankung des Inhabers haben Engelse, Zilcher und weitere Bürger das Zepter selbst in die Hand genommen. So wird derzeit von 13 bis 19 Uhr sowie Sonn- und Feiertagen ehrenamtlich kassiert. „Wir sind so glücklich gewesen, als die Tankstelle endlich wiedereröffnet hatte, da können wir Sven Böneker jetzt nicht hängen lassen“, unterstrich Zilcher das Engagement. Sie ist sich auch sicher: „Wenn wir aus den Kinderschuhen rauskommen und noch mehr Menschen von der Tankstelle überzeugen, geht es weiter. Das Kundeninteresse dafür ist da.“
Unterstützung erhält das ehrenamtliche Team auch von TinQ. Ulf Wiegand begleitet das Projekt von Beginn an und erläuterte dem Landrat, welche Veränderungen schon in naher Zukunft anstehen. So soll die Zapfsäule für LKW umgebaut werden. Puhlmann wies dabei auch daraufhin, dass der Anteil an Elektro-Fahrzeugen steigt und auch darin eine Zukunft liegen könnte, wenn die Tankstelle ein entsprechendes Angebot hat. Die Gegebenheiten laden zum Verweilen ein, da würde sich das Aufladen der Fahrzeuge nebenbei anbieten.
„Zuerst einmal sende ich Sven Böneker beste Genesung“, sagte der Landrat. „Aus meiner Sicht kann er sich auch voll und ganz darauf konzentrieren, da er eine starke Gemeinschaft an seiner Seite hat. Dieses Engagement der Bürger und Geschäftspartner ist beispielhaft – gerade in dieser schwierigen Phase, wo das ganze Projekt doch eher noch einem zarten Pflänzchen gleicht“, gab Puhlmann den Anwesenden Zuversicht. „Behalten Sie sich ihren Zusammenhalt bei“, so der Landrat abschließend.

