Medikamenten-Versorgung im ländlichen Raum im Fokus
Patrick Puhlmann besucht Fontane-Apotheke in Schönhausen.
Pro Jahr schließen in Deutschland etwa 500 Apotheken. Darüber informiert regelmäßig die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA). Im Landkreis Stendal hat es im Jahr 2025 mindestens eine Filiale erwischt: die vormalige Rosen-Apotheke in Uchtspringe. Landrat Patrick Puhlmann hat dies zum Anlass genommen, die Fontane-Apotheke in Schönhausen zu besuchen. Mit Inhaber Steffen Braunschweig und Bürgermeister Maik Mund ist er über die noch einmal schwierigeren Herausforderungen an eine Apotheke im ländlichen Raum in den Austausch gegangen.
Braunschweig stellte Puhlmann die Ursachen für das Apotheken-Sterben vor. Dazu nannte er an erster Stelle die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. „Ich muss nicht nur Apotheker, sondern auch Kaufmann sein“, sagte der Arbeitgeber für acht Mitarbeitende. „Dabei ist die Vergütung vorgegeben. Die Mischkalkulation mit 8.35 Euro pro Packung haut da nicht mehr hin. Da bleibt nichts übrig“, kritisierte Braunschweig, der darauf hinwies, dass die Vergütung seit fas 20 Jahren konstant auf diesem Niveau sei. „Die Inflation und Kostensteigerung wird nicht berücksichtigt. Deshalb wandern viele Betriebe in die roten Zahlen“, betonte der Apotheker.
Umso mehr freute sich Puhlmann, dass es die Einrichtung in Schönhausen gibt – und das schon seit fast 125 Jahren. Nach der politischen Wende erst von Brigitte Braunschweig geführt, hat Steffen Braunschweig 2006 übernommen. „Wir versorgen die Fläche von Sydow bis Kamern östlich der Elbe“, sagte Steffen Braunschweig. Das sind etwa 5.000 Kunden im ausschließlich ländlichen Raum, „die wir auch nicht im Stich lassen wollen“. Bereits seit den 1990er Jahren bietet die Fontane-Apotheke auch einen Botendienst an. Dieser liefert Medikamente aus, die zum Zeitpunkt des Besuchs in der Apotheke gerade nicht vorrätig sind. Doch auch dazu fehlt die wirtschaftliche Grundlage. „Wir bekommen pro Auslieferung eine Pauschale. Die Fahrstrecke wird dabei nicht berücksichtigt. In Kombination mit den Personalkosten ist das nicht kostendeckend“, so der Apotheker. Denn die Betriebskosten sind in den Vorjahren zunehmend gestiegen. Daher würde sich Braunschweig wünschen, dass diese Pauschale ebenso an die heutige Zeit angepasst würde, wie die generelle Mischkalkulation.
Dennoch liegt in dem Botendienst auch der große Vorteil einer stationären Apotheke gegenüber der immer größer werdenden Konkurrenz aus dem Versand- und Online-Sektor. „Es ist die Schnelligkeit. Wir werden fünf Mal am Tag beliefert und können jedes Rezept in der Regel noch am selben Tag an die Kunden ausliefern“, erklärte Braunschweig. Aber nicht nur das sieht er als Vorteile der Apotheke vor Ort, denn persönliche Beratung, Notdienst, der direkte unterschwellige Kontakt zu den Menschen, die Verwurzelung des Unternehmens in der Region sind Attribute, die Online-Versender nicht bieten können. Der Schönhauser Apotheker ist aber auch mit der Zeit gegangen. Heutzutage ist es nicht mehr zwingend erforderlich, mit jedem Rezept direkt in die Apotheke zu kommen. „Wir bieten unseren Kunden einen Service über eine mobile App. Diese liest die Rezepte der Gesundheitskarte aus und übermittelt sie uns.“
Grundsätzlich ist die Versorgung an Medikamenten, welche in der Apotheke im Bedarfsfall auch individuell hergestellt werden, und allen apothekenüblichen Dienstleistungen in der Region um Schönhausen stabil und abgesichert. Der bange Blick von Steffen Braunschweig geht aber in die Zukunft. Schon jetzt kann er selbst keinen echten Urlaub mehr machen. „Es fehlt die Fachkraft, die mich vertreten darf“, so der Apotheker. Dazu erklärte er dem Landrat, dass es zu DDR-Zeiten noch einen Beruf gab, der letztlich die Vertretungskompetenz hatte welche auch über die politische Wende Bestand hatte. „Meine letzte Kollegin mit dieser Ausbildung ging vor einem Jahr in Rente, der Beruf ist ein aussterbender“, sagte Braunschweig. Zwar gäbe es auf Bundesebene neue Ideen, diesem Fach- und Nachwuchsmangel zu begegnen, doch bis davon überhaupt etwas in den Offizinen ankommen könnte, werden noch Jahre vergehen, für viele Einrichtungen dann auch leider zu spät. Bedauerlich ist das von den vielen Absolventen des Pharmaziestudiums nur die wenigsten den Weg in die öffentliche Apotheke antreten oder gar den Schritt in die Selbstständigkeit wagen. Die beruflichen und finanziellen Möglichkeiten in anderen Bereichen wie der Pharmaindustrie, Forschung, Lehre oder Behörden sind einfach besser.
„Der Einblick in die Herausforderungen einer Apotheke im ländlichen Raum war sehr interessant“, sagte Puhlmann und fügte hinzu: „Ich freue mich sehr und danke Ihnen, dass Sie trotz aller Widrigkeiten die Gesundheitsbetreuung aufrechterhalten.“ Der Landrat unterstützt den Wunsch Braunschweigs, dass die Vergütung zeitgemäß überarbeitet wird. „Es ist ja auch unser Anliegen als Landkreis Stendal, dass die Versorgung mit Medikamenten dauerhaft sichergestellt ist“, so Puhlmann abschließend.

