Landrat stellt Zapfen her

Sommertour: Patrick Puhlmann informiert sich bei der Zimmerei Vack in Stendal über die Situation im Baugewerbe.

Das Baugewerbe in Sachsen-Anhalt steht unter Druck: Hohe Kosten, zurückhaltende Investitionen und ein Mangel an Fachkräften bremsen viele Projekte aus. Im Rahmen seiner Sommertour hat Patrick Puhlmann am Montag die Zimmerei Vack in der Hansestadt Stendal besucht, um sich über die Lage in der Region auszutauschen. Zusammen mit Oberbürgermeister Bastian Sieler hat der Landrat erfahren, was den Familienbetrieb ausmacht, woher die wirtschaftliche Stabilität kommt und wie die Perspektive aussieht. Dazu durfte Puhlmann selbst mit anpacken.

Im angespannten Baugewerbe sorgen öffentliche Bauvorhaben und die Sanierung bestehender Gebäude für einzelne Impulse. Letzteres ist auch Bestandteil der Tätigkeit von Marco Vack, der den Betrieb im Jahr 2002 aus einer Insolvenz heraus gegründet hat. Der Meister und Restaurator des Zimmererhandwerks und sein Team haben damit voll zu tun. „Öffentliche Ausschreibungen sind uns zu viel Bürokratie“, erklärte er Puhlmann und Sieler. „Sanierungen und Restaurierungen sind aber schöne Arbeiten, weil sie langfristig planbar und anspruchsvoll sind“, so Vack, der die Herausforderungen besonders mag.

„Insgesamt ist es wichtig, breit aufgestellt zu sein.“- und das ist Marco Vack. Mit seinen acht Zimmerern baut er auch Dachstühle im privaten Sektor, doch „das hat nachgelassen“, berichtete der Unternehmer. „Wir haben nur noch eine Baufirma in Stendal. Das merken wir auch, weil es weniger Aufträge gibt.“ Trotz der schwierigen Lage setzen viele Betriebe auf Modernisierung und energieeffizient. Auch Vack hat in den vergangenen Jahren investiert, um seine Zuschnitte in der Werkstatt noch einfacher herzustellen.

In einem Umkreis von etwa 50 Kilometern wird die Zimmerei um die Hansestadt herum tätig. Das führt auch dazu, dass sein Team seit rund 20 Jahren so zusammen ist. „Wir sind wie eine kleine Familie, das macht uns aus“, ergänzte Korina Vack, die zusammen mit ihrem Ehemann die Zimmerei leitet. Sie ist für die Ausbildung verantwortlich und berichtete, dass es auch ihrem Unternehmen schwerfällt, Auszubildende zu finden, was in der Baubranche keine Seltenheit ist. Doch in diesem Jahr brachte der Betrieb sogar den Kammersieger hervor, auf den Marco und Korina Vack richtig stolz sind.

Obwohl es mit der Ausbildung schwierig ist, blickt das Ehepaar zuversichtlich in die Zukunft. Sohn Tobias hat im eigenen Betrieb gelernt und ist mittlerweile auch Meister. Er wird die Zimmerei übernehmen und damit auch über das 25-jährige Bestehen, welches im kommenden Jahr ansteht, hinausführen. „Wir freuen uns natürlich, dass die Motivation bei Tobias da ist, hier weiterzumachen“, brachte Marco Vack deutlich zum Ausdruck.

Auf einem Rundgang durch die Werkstätten erklärte Tobias Vack Sieler und Puhlmann, wie ein Zapfen hergestellt wird. Kurzerhand packte der Landrat selbst mit an und probierte sich aus. „Das war eine mutige Lebensentscheidung, die Marco Vack hier vor 24 Jahren getroffen hat, seinen Betrieb aus der Insolvenz einer anderen Zimmerei heraus aufzubauen“, kommentierte der Landrat und freute sich, dass der Fortbestand durch die nächste Generation gesichert ist. „Wir brauchen leistungsfähige Handwerksunternehmen in der Region und genau das ist die Zimmerei Vack“, so Puhlmann, der die Stärke des Unternehmens auch in den Mitarbeitern sah, da diese eben schon lange Jahre mit im Boot sind.