Landrat steigt aufs Dach
Sommertour: Puhlmann besichtigt Baustelle von KDS Gladigau aus Walsleben.
Ob Neubau, Sanierung oder Reparatur – das Dachdecker-Handwerk gehört zu den unverzichtbaren Gewerken im Bauwesen. Dachdecker sorgen dafür, dass Gebäude vor Wind und Wetter geschützt sind und tragen zugleich zur Energieeffizienz moderner Häuser bei. Davon hat sich Patrick Puhlmann, begleitet von Nico Schulz (Bürgermeister Einheitsgemeinde Hansestadt Osterburg) kürzlich persönlich überzeugt. Der Landrat besuchte Christian Gladigau auf seinem Betriebsgelände in Walsleben, ehe es kurzerhand auf eine Baustelle ging.
Neben klassischen Arbeiten mit Dachziegeln oder Schiefer umfasst das Berufsfeld heute zahlreiche weitere Aufgaben. Dazu gehören die Installation von Dachfenstern, die Begrünung von Dächern sowie die Montage von Photovoltaikanlagen zur Nutzung erneuerbarer Energien. Auf seiner aktuellen Baustelle geht es für Gladigau um die Abdichtung eines Flachdaches. Dort sind arbeiten nicht sachgerecht ausgeführt worden und der Dachdeckermeister wurde um Hilfe gebeten. Für den Walslebener war es keine Frage, einzuspringen.
Vor Ort erklärte er Puhlmann, weshalb sein sechsköpfiges Team das gesamte Dach wieder abreißt und wie danach die weiteren Arbeitsschritte aussehen. Dabei kam auch Gladigaus Laufbahn zur Sprache. Denn er ist Dachdecker in zweiter Generation. Schon vorn 1993 an hatte sein Vater einen Betrieb, den der Meister im Alter von 28 Jahren im Jahr 2002 übernommen hat. Nach ein paar Jahren zog es ihn aber in die Anstellung. Lange hielt die Beziehung nicht, schon 2012 gründete Christian Gladigau seinen Betrieb neu. „In der Regel arbeiten wir um den Kirchturm herum“, macht er seine regionale Verbundenheit deutlich. Aber auch in Hamburg war er schon tätig. Zu seinen größten Projekten gehörte ein Wohnblock in Osterburg sowie die Kirche in Späningen.
In den vergangenen Jahren präsentierte sich Gladigau auch mehrfach auf den Ausbildungsbörsen, die vom Landkreis Stendal organisiert wurden. Dabei fiel er besonders durch seine Technik auf, welche die Schüler in schwindelerregende Höhen beförderte. „Ausbildungsverträge sind daraus aber wenige entstanden“, bemängelte der Unternehmer. Wie für viele andere Handwerksbetriebe auch, ist es für ihn schwer, Nachwuchs zu finden. Derzeit hat er nur einen Lehrling. Als Hürde sieht er dafür, dass die Berufsschule in Magdeburg ist und überbetriebliche Ausbildung sogar nur in Thüringen stattfindet. „Das schreckt Jugendliche ab“, so der Walslebener.
Dabei gilt der Dachdecker-Beruf für die Zukunft als sicher. „Petrus lässt uns nicht im Stich“, sagte er mit einem Schmunzeln. Tatsächlich ist es so, dass Stürme, Hagel oder Starkregenereignisse immer häufiger nach sich ziehen, dass Gladigau und seine Kollegen tätig werden müssen. Dabei ist die Konkurrenz unter den Betrieben nicht mehr so, wie noch vor 20 Jahren. Im Gegenteil: Es wird sich geholfen.
Beim Weg über das sanierungsbedürftige Ziegeldach machte der Handwerksmeister deutlich, dass sein Gewerk traditionelles Können mit modernen Technologien verbindet. Präzision, handwerkliches Geschick und ein hohes Maß an Sicherheitsbewusstsein sind dabei unerlässlich, denn viele Arbeiten werden in großer Höhe ausgeführt. Gleichzeitig, so Gladigau, gewinnt die energetische Sanierung von Gebäuden zunehmend an Bedeutung. Gut gedämmte Dächer helfen, Heizkosten zu senken und den Ausstoß an Kohlenstoffdioxid zu reduzieren. Damit leisten Dachdecker nicht nur einen wichtigen Beitrag zum Werterhalt von Immobilien, sondern auch zum Klimaschutz.
Der Landrat zeigte sich beeindruckt von der Einstellung Gladigaus, der so kurzfristig auf der Baustelle eingesprungen ist und dafür andere Vorhaben zunächst zurückstellte. „Das stärkt das Vertrauen, welches sein Unternehmen in der Region ohnehin genießt, noch einmal“, so Puhlmann. Dabei betonte er, dass ein Betrieb mit acht Angestellten auch erstmal unterhalten werden muss - gerade derzeit, wo in der Baubranche zahlreiche Firmen schließen, weil es an Aufträgen fehlt. Darüber aber kann Christian Gladigau sich nicht beklagen. „Das Unternehmen überzeugt durch Flexibilität und Qualität“, sagte der Landrat abschließend und freute sich auch über das Engagement das Dachdeckermeisters im Landesvorstand der Innung.

