Landrat gratuliert zum Jubiläum und packt selbst mit an

Sommertour: Patrick Puhlmann besucht Garlipp-Spargel am letzten Erntetag 2026 in Schelldorf.

Mit dem 24. Juni, dem Johannistag, endet in Deutschland traditionell die Spargelernte. Der Tag gilt seit Jahrhunderten als fester Stichtag für Spargelbetriebe und ist unter dem Sprichwort „Kirschen rot – Spargel tot“ bekannt. Am Mittwoch war Patrick Puhlmann daher zu Gast bei Garlipp-Spargel in Schelldorf. Dort hat der Landrat in den letzten Zügen der Ernte im Rahmen des Auftakts seiner Sommertour mit angepackt, die Betriebsabläufe zusammen mit Tangerhüttes Einheitsgemeinde-Bürgermeister Andreas Brohm kennengelernt und zum Jubiläum gratuliert.

„Das war eine gute Saison“, sagte Arne Garlipp zur Begrüßung. „Wir hatten einen dankbaren Witterungsverlauf im Mai/Juni“, so der Geschäftsführer des familiengeführten Spargelbetriebs. Im April 2022 hat er diesen von Vater Tim übernommen. Seit mittlerweile 30 Jahren produziert Familie Garlipp die „Königin des Gemüses“ in Schelldorf und den umliegenden Gemarkungen. Dazu überbrachte Puhlmann als erstes seine Glückwünsche und überreichte eine Urkunde.

Von der Aussaat bis zur Ernte

Dann ging es aufs Feld. Dabei erklärte Garlipp jeden einzelnen Schritt, den es von der Aussaat bis zur Ernte des Spargels braucht. Vor allem eines wurde dabei deutlich: Arne Garlipp und sein Team müssen vor allem vorausschauend arbeiten. „Spargel kann erst ab dem dritten Jahr geerntet werden. Etwa zehn bis 15 Jahre kann eine Pflanze dann abgeerntet werden. Danach steht die Fläche für 15 bis 20 Jahre nicht mehr für Spargel zur Verfügung“, erklärt der dreifache Familienvater. Das hinge damit zusammen, dass der Boden sich erholen muss.

Das ist auch der Grund, weshalb jährlich am 24. Juni Ernteschluss ist: Nach dem Ende der Ernte benötigt der Spargel ausreichend Zeit, um wieder auszutreiben. Die Triebe wachsen zu einem krautigen Grün heran und betreiben Photosynthese, erklärte Garlipp. Dabei bildet die Pflanze Nährstoffreserven, die sie in ihren Wurzeln einlagert. Diese Reserven sind entscheidend dafür, dass im kommenden Frühjahr erneut kräftige Spargelstangen gestochen werden können. Diese Regenerationsphase ist notwendig, damit die Pflanzen gesund bleiben und langfristig gute Erträge liefern. Würde die Ernte über den Johannistag hinaus fortgesetzt, würden die Spargelpflanzen geschwächt. Dies könnte sich negativ auf die Ernte im folgenden Jahr auswirken.

Garlipp: „Wir sind jetzt ein halbes Logistikunternehmen“

Etwa 75 Hektar bewirtschaftet Garlipp derzeit und befindet sich schon in den Planungen, welche Flächen als nächstes für Spargel genutzt werden könnten. Denn damit verbunden ist das Pachten oder der Tausch mit anderen Landwirten von Flächen. Doch während der Spargel-Saison stehen vor allem Mitarbeiter und Verkauf für den Unternehmer im Vordergrund. Von Ostern bis Ende Juni verdient der Betrieb das Geld für das ganze Jahr. Dann zählt Garlipp-Spargel an die 70 Beschäftigte. „Wir sind jetzt ein halbes Logistikunternehmen“, sagte Arne Garlipp. Denn als Direktvermarkter hat er 30 Verkaufsstände in der ganzen Region und bis nach Quedlinburg. „Alle werden täglich durch unsere zehn Fahrzeuge beliefert.“

Zum Verkaufsteam zählen 37 Rentner, die sich etwas dazuverdienen. „Sie sind ein wichtiger Part unseres Unternehmens. Ohne sie wäre das alles nicht darstellbar. Viele verabreden sich mit den zahlreichen Stammkunden schon für das nächste Jahr“, macht der Geschäftsführer deren Bedeutung klar. Doch auch für seine Feldarbeiter findet Garlipp nur lobende Worte: „Wir haben gute Leute, die Lust zu arbeiten haben. Wichtig dafür ist, dass wir sieben Tage pro Woche ernten und verkaufen. Denn gutes Personal möchte nicht in Teilzeit arbeiten.“

Puhlmann erntet letzten Spargel 2026

Unter Anleitung von Arne Garlipp hat auch der Landrat erfahren, wie der Spargel ordentlich geerntet wird. Im Anschluss daran lernte Puhlmann die Abläufe der Sortierung, Kühlung bis hin zum Verkauf kennen. Dabei erfuhr er die größte Stärke des Unternehmens. „Wir haben die Kosten unter Kontrolle und eine enge Beziehung zu unserem Team“, sagte Garlipp. Das ist auch der Grund dafür, weshalb das Schelldorfer Unternehmen sich mit konstanten Preisen am Markt behaupten kann, während Wettbewerber nach und nach aufgeben, so der Geschäftsführer.

„Der unternehmerische Weitblick ist bemerkenswert“, sagte der Landrat. „Sich in so einer schwierigen Branche zu behaupten, erfordert ein gutes Team, was Garlipp-Spargel offenbar hat und auch außerhalb der Saison pflegt“, so Puhlmann weiter. Obwohl der Betrieb läuft, denkt Garlipp aber nicht an Wachstum. „Dann bekommen wir den engen Kontakt zu unseren Kunden und Mitarbeitern nicht mehr gehändelt. Diesen wollen wir aber nicht verlieren“, betont der Geschäftsführer, der dem Landrat abschließend noch einen wichtigen Part des Erfolgs vorstellte. „Wir schälen unseren Spargel täglich frisch“, sagte Garlipp. Die Kunden nehmen das gut an, das nicht selbst machen zu müssen. Dafür setzt der Betrieb auf modernste Technik.

Eine Entwicklung hat der Betrieb aber auch im Verkauf genommen. Dort hat sich die Möglichkeit, mit Karte zahlen zu können, zu einem starken Verkaufsargument entwickelt. „In der Stadt wird das mehr genutzt als an Verkaufsständen in der ländlichen Region“, gab Arne Garlipp einen Einblick. Und obwohl die Saison am Mittwoch offiziell geendet ist: Noch bis Samstag gibt es die „Königin des Gemüses“ zu kaufen.