Landräte plädieren für bessere Verteilung der Rettungshubschrauber

Altmärkische Landkreise Salzwedel und Stendal stellen bisher nicht betrachtetes Modell vor.

Ist die Verteilung der Notärzte in Sachsen-Anhalt noch zeitgemäß und können die gesetzlich festgelegten Zeiten, die so genannte Hilfsfrist, in allen Ortschaften des Landes eingehalten werden? Antworten darauf hat ein im Dezember 2025 veröffentlichtes Gutachten geliefert. Das Ergebnis: Im Süden Sachsen-Anhalts herrscht eine teilweise bis zu fünffache oder sogar noch höhere Abdeckung vor, während in der ländlich geprägten Altmark Regionen ein Versorgungsdefizit aufweisen. Im Mittelpunkt der Betrachtung steht hierbei die Stationierung der Rettungshubschrauber im Land. Dazu stellen die altmärkischen Landkreise Salzwedel und Stendal nun ein Modell vor, welches bislang nicht betrachtet wurde und plädieren für eine bessere Verteilung der Rettungshubschrauber im gesamten Land.

„Für die Altmark ist das Ergebnis des Gutachtens mit seinen zahlreichen Versorgungsdefiziten ernüchternd“, sagt Steve Kanitz. Dazu verweist der Salzwedeler Landrat insbesondere auf die Regionen zwischen Arendsee und Seehausen (Altmark) sowie Havelberg und entlang der westlichen Landesgrenze von Diesdorf über den Drömling bis zur Colbitz-Letzlinger-Heide.

„Für Patienten, die einen Schlaganfall erleiden, ist die Erreichbarkeit von Krankenhäusern, die einen solchen Notfall adäquat behandeln können, in den vorgegebenen Zeiten mit einem Rettungswagen zum Teil sehr schwer oder gar nicht möglich“, unterstreicht Holger Altknecht. Der Ärztliche Leiter des Rettungsdienstes im Altmarkkreis Salzwedel wird sogar noch deutlicher: „Patienten aus dem Altmarkkreis sind mit Blick auf die Behandlung von lebensbedrohlichen Herzerkrankungen nahezu unversorgt. Eine darauf spezialisierte Station sollte nach internationalem Standard innerhalb von 30 Minuten erreichbar sein.“ Mit dem Rettungswagen ist das in vielen Orten der Altmark nicht möglich.

Das Gutachten stellt dazu zwei Modelle vor, wonach einer der drei in Sachsen-Anhalt derzeit stationierten Rettungshubschrauber verschoben wird. Konkret sollen zwei Rettungshubschrauber in Halle verbleiben und einer aus Magdeburg nach Haldensleben oder Stendal verlegt werden. Beide Modelle weisen in der Gesamtbetrachtung des Landes aber Defizite auf. Denn zwar bliebe der Süden um Halle weiterhin um das bis zu fünffache oder sogar mehr abgedeckt, der Harz (bei Station Stendal) oder der nördlichste Teil der Altmark (bei Station Haldensleben) blieben nicht durch einen Hubschrauber in den vorgeschriebenen Zeiten von 15 oder maximal 20 Minuten zu erreichen.

„Für die Altmark führt das zu keiner signifikanten Verbesserung“, weiß Patrick Puhlmann. „Zusätzlich zu den Standorten in Magdeburg und Halle sollte ein Rettungshubschrauber in Stendal verortet werden. Da laut Gutachten kein vierter Rettungshubschrauber notwendig ist, dann doch aber die Verlegung einer der zwei in Halle vorhandenen Rettungshubschrauber in die Altmark. Dieser kann in hierher verlegt werden, ohne dass er woanders fehlt, weil es im Süden noch immer eine Mehrfachabdeckung gibt. So, wie die Situation derzeit ist, können wir sie nicht mehr hinnehmen. Es braucht eine ordentliche Nord-Mitte-Süd-Verteilung. Nur mit dieser Variante lässt sich das ganze Gebiet Sachsen-Anhalts voll abdecken und die lebenswichtigen Transportzeiten könnten eingehalten werden. Eine Verteilung der Rettungshubschrauber ohne den Norden lässt weite Teile der Altmark ohne eine 15-minütige Abdeckung durch eben jene. Das ist für uns inakzeptabel“, macht der Stendaler Landrat deutlich.

Völlig neu ist ein solches Modell bei den Verantwortlichen in Magdeburg nicht. Schon vor etlichen Jahren ist der Standort Stendal-Borstel begutachtet und „für gut befunden“ worden, wie Matthias Jahn weiß. Der Flugplatz-Geschäftsführer betont dazu: „Die Rechtsgrundlage und Infrastruktur, hier einen Rettungshubschrauber zu stationieren, sind vorhanden. Der Flugplatz verfügt über alle erforderlichen Genehmigungen, Nachtbeleuchtung und eine Tankstelle.“ Zudem gibt es bereits Erfahrungen mit einem Hubschrauber-Landeplatz. „Als der Landeplatz am Stendaler Krankenhaus nicht genutzt werden konnte, war bei uns ein Provisorium eingerichtet – mit kurzen Wegen zur bodengebundenen Infrastruktur“, so Jahn weiter. Er stellte in Aussicht, dass eine kurzfristige Umsetzung mit den vorhandenen Einrichtungen möglich ist.

Dieses Modell findet auch bei Holger Köhne Anklang. Der Sandauer ist Gründungsmitglied des Vereins Pro Krankenhaus, der seit fünf Jahren für eine Verbesserung der ärztlichen Versorgung in der Elbe-Havel-Region, nachdem das dortige Krankenhaus geschlossen worden war, kämpft. „Mit einem in Stendal stationierten Rettungshubschrauber würde sich die Situation deutlich verbessern. Im Notfall müsste nicht erst der Rettungswagen mit dem langen Umweg über Tangermünde nach Stendal ins Krankenhaus fahren oder der Rettungshubschrauber aus Magdeburg oder Haldensleben anreisen – in Stendal wäre er direkt vor Ort.“

Profitieren würde von diesem Modell ebenso das Jerichower Land, welches an der östlichen Landesgrenze ein Versorgungsdefizit ausweist. Hier wäre die Abdeckung durch einen Rettungshubschrauber in Stendal ebenso verbessert.