Im Austausch über den Zukunftsatlas, die Baubranche und Nachwuchsgewinnung

Patrick Puhlmann besucht Bauunternehmen Müller in Stendal.

Immer, wenn der Prognos-Zukunftsatlas erscheint, fällt der erste Blick aus der Altmark ernüchternd aus. Neben dem Altmarkkreis Salzwedel belegt der Landkreis Stendal einen der letzten Plätze. Doch abgehängt ist die Region davon noch lange nicht, findet Patrick Puhlmann. Die Haltung des Stendaler Landrates begrüßt auch Uwe Müller. In einem Schreiben suchte der Bauunternehmer kürzlich den Austausch mit Puhlmann, der kurzerhand den Betrieb besuchte. Dazu ließ Müller sich von Nico Wiegel vertreten.

Bei einer Tasse Kaffee wartete Wiegel mit der zentralen Frage auf: Welche Möglichkeiten gibt es, die Position im Prognos-Zukunftsatlas zu verbessern? Daraufhin erläuterte Puhlmann, dass die Betrachtung etwas verzerrt sei, da gar nicht alle Maßnahmen und Projekte objektiv einbezogen würden. Denn beispielsweise ziehen seit Corona mehr Menschen in die Region, als diese verlassen. Weiterhin betonte der Landrat, dass der Landkreis Stendal, gar die ganze Altmark, keineswegs abgehängt sei: „12,6 Millionen Euro Fördersumme haben wir als Altmark erst im Vorjahr für den Glasfaserausbau erhalten. Das Land kofinanziert mit 6 Millionen Euro. Das heißt, zu den fast 30.000 Glasfaseranschlüssen in den letzten Jahren kommen noch einmal 2.300 dazu. Die Altmark ist der mit Glasfaser am besten versorgteste ländliche Raum in Sachsen-Anhalt, weil wir jede Milchkanne dort versorgen, wo der Markt versagt hat. Das muss sich auch bundesweit nicht verstecken.“ Schon allein deshalb gibt Puhlmann den Landkreis nicht verloren, wie der Zukunftsatlas es aber suggeriert.

Auf einem kleinen Rundgang über das Betriebsgelände erfuhr der Stendaler Landrat mehr über das Bauunternehmen, welches mittlerweile seit 107 Jahren am Markt ist. Derzeit beschäftige Müller 25 Mitarbeiter, die vor allem im Auftrag der öffentlichen Hand arbeiten. „Zuletzt waren wir bei der Komarow-Schule im Boot, derzeit wirken wir bei der Sanierung der Sekundarschule Goldbeck mit und bauen ein neues Wasserwerk in Schinne“, erklärte Wiegel. Der Betriebsleiter betonte, dass ein familiäres Klima der Schlüssel zum Erfolg sei.

Patrick Puhlmann interessierte sich auch für die Ausbildung zukünftiger Fachkräfte. Dazu erläuterte Wiegel, dass es immer junge Menschen gibt, die ihre Ausbildung im Bauunternehmen Müller absolvieren. „Große Bemühungen und eine Schaffung guter Ausbildungsbedingungen sind jedoch erforderlich“, sagte er und ist damit in der Region nicht allein. Der Landrat verwies dazu auf die Ausbildungs- und Praktikumsbörsen, welche die Kreisverwaltung mehrmals im Jahr für die Schüler weiterführender Schulen organisiert. Die nächste findet im April in Osterburg statt, eine weitere folgt im Sommer in Stendal. Dort hätten Betriebe direkten Zugang zu den künftigen Schulabsolventen. Ein Ort, der in Zukunft auch für Nico Wiegel die Plattform für den Erstkontakt sein kann.

Hintergrund
Der Zukunftsatlas ist ein Ranking der 400 Kreise und kreisfreien Städte in Deutschland. Seit dem Jahr 2004 vergleicht er alle drei Jahre die Zukunftsfestigkeit deutscher Regionen. Basis sind ausgewählte makro- und sozioökonomische Faktoren. Der Zukunftsatlas gibt Städten und Kreisen, Wirtschaftsförderungen, Industrie- und Handelskammern, Infrastruktur- und Immobilieninvestoren sowie anderen Entscheidungsträgerinnen und -trägern Auskunft darüber, wie ihre Region im Standortwettbewerb positioniert ist und wo Handeln erforderlich ist. Der Zukunftsatlas kann bei der Gestaltung zukunftsorientierter Strategieprozesse der Regionalentwicklung und Wirtschaftsförderung unterstützen sowie als Entscheidungshilfe bei Investitionsprozessen dienen.