Einzigartiger Nahversorger arbeitet gegen den Trend
Sommertour: Landrat besucht Konsumgenossenschaft Seehausen.
In Lückstedt, Groß Garz und Flessau gibt es ihn noch: den Konsum. In sogenannten Kleinstverkaufsstellen erhalten Kunden die Waren des täglichen Bedarfs – und das nicht wesentlich teurer als im großen Supermarkt. Dafür sorgt die Konsumgenossenschaft Seehausen. Wie Patrick Puhlmann im Rahmen seiner Sommertour erfahren hat, ist diese einzigartig im Landkreis Stendal. Der Landrat traf die beiden Vorstände Martina Bäcker und Aileen Bendler.
In den 1960er Jahren hatte die Konsumgenossenschaft, die aus dem 1901 gegründeten Konsum Osterburg hervorging, 220 Filialen. Das war nach der politischen Wende nicht mehr zeitgemäß und das Angebot verringerte sich in der Fläche. Doch auch über 30 Jahre später umfasst die Genossenschaft noch 14 Geschäfte, davon eben drei Landverkaufsstellen und Märkte mit dem Fokus auf Frische und Regionalität. Weiterhin zählen ein Kaufhaus, ein Kleinpreismarkt sowie zwei Modefachgeschäfte zum Tätigkeitsfeld der heutigen Konsumgenossenschaft Seehausen.
„Das soll auch in Zukunft so bleiben“, sagte Bendler. „Wir haben von unseren Mitgliedern einen Versorgungsauftrag, wollen Lücken abdecken“, so das Vorstandsmitglied gegenüber Puhlmann. Dabei ist klar: Allein könnte sich eine Kleinstfiliale heutzutage nicht halten. Es ist das Gesamtkonzept der Genossenschaft mit aktuell 1.779 Mitgliedern, welches die Nahversorgung ermöglicht. Dafür fand Puhlmann lobende Worte, denn „Lebensmittelgeschäfte in Wohnortnähe werden immer gebraucht“, so der Landrat. „Es ist sehr imponierend, wie Sie ihrem Auftrag nachgehen, die Menschen auf dem Land zu versorgen.“
Auch heute bleibt die Konsumgenossenschaft Seehausen in ihrer Entwicklung aber nicht stehen. „Wir suchen neue Wege für die Landverkaufsstellen sowie die Märkte in Iden und Werben“, erklärte Martina Bäcker. Dabei geht es keineswegs um Schließungen, sondern Möglichkeiten, die Verkaufsstellen zu erhalten – mit angepassten Öffnungszeiten und zeitgemäßem Personaleinsatz. Größer noch ist aber die Umstellung in der Partnerschaft mit EDEKA. Firmierten die Lebensmittelmärkte von Arendsee bis Werben zuletzt als „NP Discount“, verwandeln sie sich nach und nach in „nah&gut“, was zugleich die Möglichkeit für die Konsumgenossenschaft bietet, sichtbarer zu werden und die 125-jährige Verbundenheit in der Region hervorzuheben. In Goldbeck ist zudem ein kompletter Neubau geplant.
Der Austausch erfolgte auch über die jüngste Krise des Unternehmens. Denn unter Corona waren die Modehäuser und der Kleinpreismarkt geschlossen. Auch hier war es, so die Geschäftsführerinnen, das Konzept der Genossenschaft, der die Geschäfte und Mitarbeiter erhalten hat. Textilfachverkäuferinnen halfen im Supermarkt aus. Zwar ist der Anteil an Mode und Sonstigem der deutlich Kleinere in der Konsumgenossenschaft Seehausen, erhalten wurde er nach der Krise dennoch und das soll auch in Zukunft so bleiben. Diese Form macht die Genossenschaft im Landkreis Stendal einzigartig.
Da die Konsumgenossenschaft auch regelmäßig auf den Ausbildungsbörsen des Landkreises Stendal präsent ist, interessierte sich Puhlmann auch für die Personalsituation. 110 Mitarbeiter zählten zum Team, davon fünf Auszubildende, so Bendler. „Es wird aber immer schwerer, Azubis zu finden“, ergänzte Bäcker, welche fehlende Gruppenbildung in der Schule kritisierte.
„Es gehört sehr viel Fingerspitzengefühl dazu, diesen Versorgungsauftrag der Genossenschaft umzusetzen“, sagte der Landrat. „Sie haben das Konzept offenbar so weiterentwickelt, dass der Betrieb als Unternehmen wirtschaftlich gut dasteht, ohne die größten Margen zu erzielen, sondern die Menschen auf dem Land zu versorgen. Dazu planen sie aus eigenen Mitteln einen Neubau. Das zu einer Zeit, in dem gerade der Einzelhandel stark unter Druck steht, verdient höchsten Respekt“, so Puhlmann abschließend.

