Die Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten – ein Blick hinter die Kulissen

Was tun, wenn die Schule beendet ist? Auch Pauline Küssner musste sich diese Frage stellen. Besonders schwer wog die Entscheidung: „Studium oder Ausbildung?“. Sie entschied sich für eine Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten beim Landkreis Stendal und sagt, im Rückblick sei dies die beste Wahl gewesen. In diesen drei Jahren eignete sie sich nämlich nicht nur theoretisches Wissen und praktische Erfahrungen an, sondern entdeckte auch neue Stärken und Fähigkeiten und damit weitere Möglichkeiten für sich.

Auf den Gedanken kam sie durch ein Praktikum während der Schulzeit. Dies absolvierte Pauline im Rechtsamt des Landkreises, hier im Sachgebiet Offene Vermögensfragen/Entschädigungsansprüche. Da lag es nah, es einfach mal mit einer Bewerbung zu versuchen. Und dass diese gleich zum Erfolg führte, spricht für sich. Übrigens war dies nicht nur ihre erste Bewerbung, sondern blieb auch die einzige um einen Ausbildungsplatz.

Nur kurze Zeit nach dem Bewerbungsschreiben kam eine Einladung zu einem Einstellungstest. Dieser fand im Januar 2012 statt. Es ging vor allem um Allgemeinwissen, aber auch um Deutsch- und Mathekenntnisse und um Politik, Wirtschaft und Logik. Der Test nahm einige Zeit in Anspruch, jedoch war er „machbar“.

Wiederum verging nur eine kurze Zeit und es folgte die Einladung zu einem Vorstellungsgespräch. Dies erfolgte im Frühjahr 2012. Drei Mitarbeiter der Kreisverwaltung führten das Gespräch. Es ging dabei um persönliche Stärken und Schwächen der Bewerberin und ob diese schon einen kleinen Einblick in die Arbeit des Landkreises hat. Hierbei war das vorherige Praktikum eine wertvolle Hilfe. Die Gesprächsführenden beschränkten sich jedoch nicht nur auf Fragen, sondern stellten den zukünftigen Ausbildungsbetrieb ausführlich vor. Das Vorstellungsgespräch verlief zur Zufriedenheit aller, sodass der Ausbildungsvertrag bald unterschrieben werden konnte.

Am 1. August 2012 startete die Ausbildung. Die erste Woche diente der Einführung. Martin Fehniger, Aus- und Fortbildungsbeauftragter des Landkreises Stendal, gab eine Einweisung und stellte alle Ämter der Kreisverwaltung vor. Er überreichte ebenfalls eine Ausbildungsmappe, die viele praktische Hinweise enthielt und natürlich den Ausbildungsplan.

Erste praktische Erfahrungen sammelte Pauline dann in verschiedenen Ämtern des Landkreises Stendal. In dieser Zeit war sie im Haupt- und Personalamt, im Schulverwaltungs- und Kulturamt und auch in der Kommunalaufsicht, die sie bei der Landratswahl 2012 unterstützte, eingesetzt. Die theoretische Ausbildung erfolgte als Blockunterricht von jeweils sechs bis acht Wochen an der „Berufsbildenden Schule II“ in Stendal. Diese startete im Januar 2013 und hier lernten sich alle Auszubildenden das erste Mal kennen. Das an der Berufsschule vermittelte Wissen war in mehrere Lernfelder eingeteilt, wobei Pauline das Staats- und Europarecht am interessantesten fand. Schade fand sie nur, dass es keinen Englischunterricht gab.

Ihr Fazit des ersten Ausbildungsjahres: „Viel Praxis, wenig Theorie, viele neue Eindrücke und schon ist man im zweiten Lehrjahr!“

In diesem zweiten Jahr kam dann die Theorie nicht mehr zu kurz. Besonders der Unterricht in den Monaten September und Oktober 2013 hat ihr sehr viel gebracht und hierbei speziell das Verständnis für die Rechtsanwendung. In dieser Zeit erfolgte auch die Vorbereitung auf die Zwischenprüfung.

Die Zwischenprüfung selbst wurde am Studieninstitut für kommunale Verwaltung Sachsen-Anhalt e.V. (SIKOSA) in Magdeburg abgelegt. Voran ging eine mehrwöchige Ausbildung an diesem Institut. Die Prüfung bestand aus 3 Teilprüfungen von jeweils 60 Minuten in den Themenfeldern: Organisation, Haushaltsrecht und Wirtschaft- / Sozialkunde. In die Ausbildungsbewertung floss das Ergebnis dieser Prüfung jedoch nicht ein, sie diente vielmehr dazu, den Auszubildenden den Stand ihres Wissens aufzuzeigen.

Im anschließenden Praxisblock war Pauline im Bereich Büro des Landrates eingesetzt. Hier erlebte sie eine sehr aufregende Zeit, da gerade das Hochwasser den Landkreis überflutete. Sie unterstützte die Mitarbeiter in dieser schweren Zeit tatkräftig, insbesondere bei der Pressearbeit. Eine ihrer Aufgaben war die Begleitung der Medienvertreter bei den organisierten Fahrten in die Krisengebiete. Trotz dieser schrecklichen Katastrophe war es dennoch eine sehr lehrreiche Zeit für sie.

Spannend und aufregend ging es weiter. Pauline hatte schon immer den Wunsch, einmal ins Ausland zu gehen. Von ihrer damaligen Klassenlehrerin hörte sie vom „Leonardo da Vinci“-Projekt. Hierbei handelt es sich um ein EU-Programm, welches Auszubildende dabei unterstützt, im Rahmen eines Auslandspraktikums ihre fachlichen, sprachlichen und interkulturellen Kompetenzen zu erweitern. Der Landkreis Stendal, insbesondere der Landrat Carsten Wulfänger, stand dieser Idee sehr aufgeschlossen gegenüber und so bewarb sie sich mit Hilfe des Europäischen Bildungsverbundes bei diesem Programm und wurde für ein viermonatiges Praktikum angenommen. Der Bildungsverbund übernahm die vollständige Organisation dieser Reise, kümmerte sich z.B. um eine Unterkunft und sorgte für ein erstes Informationstreffen.

Den Aufenthaltsort durfte sie sich selber aussuchen und so entschied sie sich für Nordirland. Im April 2014 ging es dann nach Belfast. Das Praktikum absolvierte sie in einem großen Ärztehaus. In diesem gab es mehrere Mediziner, Physiotherapeuten, Hebammen, Krankenschwestern und eine sehr große Büroabteilung, in welcher sie eingesetzt wurde. Die erste Zeit in dieser neuen Umgebung war nicht einfach, schon wegen der unbekannten Fachbegriffe, doch schnell wurde Belfast ihr neues Zuhause.

Das Auslandspraktikum war die tollste Erfahrung, die Pauline erleben durfte. Sie lernte viele nette Menschen kennen, die zu engen Freunden wurden und mit denen sie heute noch Kontakt hat. Es verschaffte ihr einen anderen Blick auf das Leben, da Nordirland in Bezug auf Politik, Wirtschaft, Arbeitsbedingungen, Kultur und Religion - was nicht vergessen werden darf - ganz andere Bedingungen als Deutschland bietet.

Gestärkt durch diese Erlebnisse konnte das dritte Lehrjahr beginnen. In diesem lag der Schwerpunkt in der theoretischen Ausbildung. Im Wechsel zwischen Berufsschule und SIKOSA wurden die Auszubildenden auf die Abschlussprüfung vorbereitet. Die schriftliche Prüfung wurde im Mai 2015 abgenommen. An vier Tagen mussten vier Prüfungen in den Bereichen Haushalt, Personalwesen, Verwaltungsrecht / Verwaltungsverfahren und Wirtschaft / Soziales geschrieben werden. Reale Fälle waren dabei Grundlage. Das Ende der Abschlussprüfung bildete drei Wochen später die mündliche Prüfung.

Wie schnell drei Jahre vergehen können, ist Pauline besonders am 31. Juli 2015 bewusst geworden. Denn an diesem Tag endete die Ausbildung. Sie und ihre Mitschüler durften sich von diesem Tag an nun offiziell Verwaltungsfachangestellte nennen.

Ihren Entschluss, die Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten zu durchlaufen, hat Pauline nie bereut. In diesen drei Jahren ist sie, nach eigener Einschätzung sehr gereift und selbständig geworden. Sie ist dankbar für die zahlreichen und wertvollen Erfahrungen, die sie in dieser Zeit sammeln durfte. Pauline hat den Landkreis Stendal als einen sehr guten Ausbilder schätzen gelernt, der sich immer hervorragend um die Auszubildenden gekümmert hat. An dieser Stelle gilt Martin Fehniger ein besonderes Dankeschön.

Besonders gut hat ihr die Zeit im Bereich Büro des Landrates gefallen. Sie durfte dort sehr eigenständig arbeiten und hier wurde auch ihr Interesse an der Pressearbeit geweckt. Daher ist es naheliegend, dass sie im Oktober ein Studium im Bereich Kommunikations- und Medienmanagement / Public Relations in Hamburg beginnt.

Wir wünschen Pauline viel Erfolg und natürlich auch viel Freude bei der weiteren Ausbildung.

 

 

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