Begegnung schafft Verständnis

Örtliches Teilhabemanagement sorgt für Aufklärung an der Sekundarschule Hinrich Brunsberg.

Unter dem Motto „Begegnung“ hat das Örtliche Teilhabemanagement kürzlich gemeinsam mit der Selbsthilfegruppe „Barrierefreies Tangermünde“ ein inklusives Schulprojekt für die neunten Klasse der Sekundarschule Hinrich Brunsberg organisiert. 20 Schüler erhielten dabei praxisnahe Einblicke in die Lebensrealität von Menschen mit Geh- und Sehbeeinträchtigung. Unterstützt wurde das Projekt von Daniela Waiß vom Blinden- und Sehbehindertenverband Sachsen-Anhalt, dem Sanitätshaus AtO Stendal sowie Thomas Rösicke, der selbst Rollstuhlfahrer ist.

Nach einer kurzen Vorstellungsrunde, unter Anwesenheit des Bürgermeisters Steffen Schilm, ging es in Kleingruppen an zwei interaktive Stationen. Waiß informierte anschaulich über verschiedene Augenerkrankungen und berichtete von ihren persönlichen Erfahrungen im Alltag mit Sehbehinderung. Mitgebracht hatte sie unter anderem Materialien zum Ertasten von Brailleschrift auf einem Globus oder in einem Kalender. Die Schüler zeigten sich interessiert und stellten verschiedenste Fragen, etwa wie Waiß das beim Einkaufen mache. Die Beraterin der Beratungsstelle „Blickpunkt Auge“ erklärte, dass sie ihr Smartphone nutzt, um Verpackungstexte zu vergrößern. Zudem lobte sie die Hilfsbereitschaft vieler Mitarbeitender in den Supermärkten.

Im Anschluss daran stellte Waiß die App „Be My Eyes“ vor, mit der blinde und sehbehinderte Nutzer detaillierte Beschreibungen der Umgebung erhalten. Der Einsatz dieser App sorgte prompt für gemeinsames Lachen, als die ernsten Gesichtsausdrücke der Jugendlichen von einer künstlichen Intelligenz kommentiert wurden. Im Praxisteil probierten die Schüler Simulationsbrillen aus, die unterschiedliche Seheinschränkungen vortäuschen. Besonders Mutige trugen Schlafmasken, um vollständige Blindheit nachzuempfinden. Mit Langstock ausgestattet ging es entlang der Arneburger Straße zu einer nahegelegenen Bäckerei, wo die Jugendlichen versuchten, Kleingeld zu ertasten und selbstständig zu bezahlen.

Parallel dazu fand im Grete-Minde-Saal ein Rollstuhlparcours statt, den Dastyn Lampe vom Sanitätshaus AtO aufgebaut hatten. Der Tangermünder Thomas Rösicke gab hilfreiche Tipps zur richtigen Handhabung eines Rollstuhls. Die Jugendlichen absolvierten Slalomstrecken, Rampen und Wippen. Auch das Außengelände wurde erkundet und hatte das Ziel, reale Barrieren im Stadtbild zu erkennen.

Den Abschluss bildete eine gemeinsame Feedbackrunde, in der die Jugendlichen ihre Eindrücke reflektierten. Viele gaben an, dass sie durch das Projekt einen wertvollen Perspektivwechsel erfahren hätten. Als Andenken erhielten alle Teilnehmenden einen symbolischen „Rollstuhlführerschein“.