Interact Tele Service ist ein Paradebeispiel für Wirtschaftswachstum und Vereinbarkeit

Bündnis für Familie organisiert dazu am 21. Mai den Fachtag „Altmark Stark!“.

Fachkräftemangel, steigender Wettbewerbsdruck und der digitale Wandel stellen Unternehmen zunehmend vor strategische Herausforderungen. Wie Arbeitgeber darauf reagieren können, zeigt der Fachtag „Altmark Stark! Wirtschaftswachstum braucht Vereinbarkeit“ am Donnerstag, 21. Mai, im Stendaler Landratsamt (Hospitalstraße 1-2, 30576 Hansestadt Stendal). Ein Paradebeispiel dafür ist die Interact Tele Service AG in Stendal. Sophie Jehmlich (Arbeitsagentur), Aileen Brandt (Jobcenter) und Johanna Michelis (Teilhabemanagement) von den Fachtag-Organisatoren haben sich davon kürzlich selbst einen Eindruck verschafft.

Seit 26 Jahren ist das Call-Center in der Hansestadt zu Hause, beschäftigt heute rund 70 Mitarbeiter. „Keiner fängt bei uns an und will ewig bleiben“, berichtet Eva Kunz. Sie führt die Aktiengesellschaft in zweiter Generation, hat den Betrieb mit deutschlandweit 250 Mitarbeitern vor zehn Jahren von ihrem Vater übernommen. „Am Ende bleiben aber viele“, ergänzte Skadi Rethfeldt. Die Stendaler Standortleiterin sprach dazu aus eigener Erfahrung, ist sie mittlerweile doch seit 16 Jahren im Betrieb und hat sich in dieser Zeit zur Führungskraft entwickelt.

„In einer Gesellschaft, in der Bindungen loser werden, wollen wir die Mitarbeiter unbedingt an uns binden. Wir bieten ihnen die Möglichkeit, sich zu entwickeln. Dafür haben wir einen bunten Blumenstrauß an Aufgaben und Themen zur Verfügung. Aus unserer Erfahrung heraus ist es sehr wichtig, individuell auf die Mitarbeiter einzugehen“, so Kunz weiter. Das belegt auch die Entscheidung im Jahr 2015, für das Wachstum des Unternehmens nicht die vorhandenen Standorte in Neubrandenburg und Stendal zu erweitern, sondern in Stralsund einen neuen zu gründen. „Wenn die Organisationseinheit zu groß wird, wird es auch unpersönlich“, betonte Eva Kunz.

Dass sich viele Mitarbeiter teilweise schon über zehn Jahre an das Unternehmen gebunden haben, führten Kunz und Rethfeldt auf die Firmenphilosophie „pro Mitarbeiter und Teams“ und der Vereinbarkeit von Beruf und Familie zurück. „Aus unserer Sicht sind 30 Stunden der ideale zeitliche Einstieg, um Arbeit und Privatleben unter einen Gut zu bekommen. Wir beobachten auch, dass häufiger Männer nach weniger Stunden fragen. Da hat sich die Gesellschaft verändert“, so Kunz. So wird nach eigenen Angaben reagiert, wenn Mitarbeiter kurzfristig Kinderbetreuung sicherstellen müssen. „Für die Schichtplanung können auch Wünsche geäußert werden. Wir müssen auf die Mitarbeiter eingehen, wollen wir sie halten“, so Rethfeldt. Genau solche Ansätze werden beim Fachtag aufgegriffen und weitergedacht.

„Obwohl wir ein großes Unternehmen sind, verstehen wir uns als Familienbetrieb. Bei uns stehen die Türen nicht nur offen, sondern wir versuchen den Mitarbeitern auch bei Problemlösungen zu helfen“, unterstrich Kunz. Zu Strategie gehört aber auch eine bewusste Entscheidung gegen mobiles Arbeiten. Das heißt nicht, dass es das bei Interact Tele Service nicht gibt (Kunz: „Unsere Nachtschicht arbeitet grundsätzlich von zu Hause“), aber das Miteinander im Team steht im Vordergrund. „Wir haben auch wenig Anfragen nach mehr mobiler Arbeit“, erklärte Skadi Rethfeldt.

Schwierigkeiten, neue Mitarbeiter zu gewinnen, hat der Betrieb nach eigenen Angaben nicht. „Wir benötigen kaum Initiativen, um Bewerber zu generieren. Grundsätzlich haben wir monatlich Einstellungen und leben von den Anzeigen bei der Agentur für Arbeit und Mundpropaganda“, berichtete Eva Kurz.

„Flexible Arbeitszeitmodelle, wie Interact Tele Service sie ihren Mitarbeitern anbietet, kommen natürlich auch Familien mit Behinderung und Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen zugute“, betonte Michelis. „Vereinbarkeit von Familie und Beruf stellt somit eine wichtige Grundlage für Inklusion dar“, erklärte die Öffentliche Teilhabemanagerin des Landkreises Stendal weiter und verwies auf einen Workshop beim Fachtag, bei dem es um die Beschäftigung von Menschen mit Schwerbehinderung geht. „Dort stehen die Sensibilisierung und der Abbau von Vorurteilen im Vordergrund.“

„Aus den Erfahrungen bei Interact Tele Service wird damit deutlich: Familienfreundlichkeit ist ein wichtiger Erfolgsfaktor, kein ‚Nice-to-have‘, sagte Jehmlich. „Für die künftige Generation hat die Zusammenarbeit in einem kleinen Familienbetrieb oder in kleinen Teams einen höheren Stellenwert, als eine unbekannte Person in der großen Maße zu sein. Genau dafür organisieren wir den Fachtag am 21. Mai. Er bietet Lösungen für die Praxis“, so die Mitarbeiterin der Agentur für Arbeit weiter.

„Der Fachtag ist die passende Gelegenheit für alle Personalverantwortlichen, die für ihr Unternehmen eine moderne Personalpolitik erarbeiten oder weiterentwickeln wollen“, brachte es Aileen Brandt auf den Punkt. Anmeldungen für den Fachtag „Altmark Stark! Wirtschaftswachstum braucht Vereinbarkeit“ im Stendaler Landratsamt sind noch online möglich. Die Teilnahme ist kostenfrei.