„Hochwasserschutz ist von herausragendem landespolitischem Interesse“

Landkreis und LHW empfangen Ministerpräsident Haseloff und Minister Willingmann zur Hochwasserkonferenz.

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff und Umweltminister Prof. Dr. Armin Willingmann haben am Samstag bei der Hochwasserkonferenz des Landkreis Stendal in Zusammenarbeit mit dem Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW) an den Deichbruch von Fischbeck erinnert, der sich auf den Tag genau vor zehn Jahren während des Jahrhunderthochwassers im Juni 2013 ereignete. Rund 150 Quadratkilometer des Elbe-Havel-Winkels wurden seinerzeit mit Elbewasser überflutet. Gemeinsam mit dem Stendaler Landrat Patrick Puhlmann sowie LHW-Direktor Burkhard Henning sprachen sie über die Entwicklung des Hochwasserschutzes im Land.

Begrüßt wurden die Gäste durch die Feuerwehrkapelle Elbe-Havel-Land und Bürgermeister Jörg Hellmuth, ehe Puhlmann das Wort übernommen hat. „Die Nacht des Deichbruchs vom 9. auf den 10. Juni 2013 steht für Zerstörung von Existenzen und persönliches Leid. Sie steht aber auch für eine wunderbare Solidarität der Menschen in der Region und die Unterstützung von Einsatzkräften und Helfern aus Nah und Fern. Und diese Nacht steht auch für den Beginn eines starken Wiederaufbaus der ganzen ostelbischen Region durch die Hilfen von Land, Bund und den Millionen privat gesammelter Spenden. Hochwasserschutz und Vorbereitung dürfen auch in Trockenjahren nicht im Alltagsgeschäft untergehen. Und deshalb ziehen wir im Landkreis Stendal seit zehn Jahren mit der Hochwasserkonferenz immer am 10. Juni Bilanz über das Erreichte und über das, was noch vor uns liegt. Denn die Frage ist nicht, ob das nächste Jahrhunderthochwasser kommt, sondern wann und wie gut es uns gelingt, die Folgen gering zu halten“, so der Landrat.

„Der Hochwasserschutz ist von herausragendem landespolitischem Interesse“, sagte Haseloff. „Letztlich geht es um den Schutz unseres Heimatlandes. Hochwasserschutz ist Heimatschutz. Die Erfahrungen aus den Katastrophen von 2002 und 2013 haben zu beträchtlichen Investitionen in Hochwasserschutzmaßnahmen geführt“, so der Ministerpräsident weiter.

Umweltminister Willingmann betonte: „Fischbeck ist uns als Ort des folgenschweren Deichbruchs während der Hochwasserkatastrophe 2013 fest in Erinnerung geblieben. Der Ort kann heute aber ebenso gut für hochmodernen, zeitgemäßen Hochwasserschutz in Sachsen-Anhalt stehen. 75 Prozent der Deiche Sachsen-Anhalts entsprechen bereits dem heutigen Stand der Technik. Aufgrund des fortschreitenden Klimawandels, der auch bei uns im Lande Extremwetterereignisse wahrscheinlicher werden lässt, müssen wir aber weiterhin konsequent in zeitgemäßen Hochwasserschutz investieren. Neben Deichsanierungen wird es um mehr Raum für die Flüsse sowie um verstärkten Wasserrückhalt in der Fläche gehen. Damit werden wir sowohl auf Starkregenereignisse als auch auf längere Trockenperioden reagieren.“

Henning wurde etwas überraschend durch Ministerpräsident Haseloff ausgezeichnet und sprach dann: „Neben den enormen Anstrengungen zur Umsetzung des technischen Hochwasserschutzes ist es ebenso wichtig, den operativen Hochwasserschutz und die Hochwasservorhersage auf hohem Niveau zu halten. Insofern ist auch das Training von entsprechenden Szenarien außerordentlich wichtig“, ergänzte der LHW-Chef.

Im Anschluss freute sich auch Verbandsgemeindebürgermeisterin Steffi Friedebold über die zahlreichen Gäste, ehe Dr. Ekkehard Wallbaum die Landesstrategie „Stabil im Klimawandel“ vorstellte. Für die Gäste gab es danach Erbsensuppe von der Feuerwehr FIschbeck, zudem boten Infostände die Möglichkeit, sich über das Hochwasser aus 2013 sowie die heutigen Schutzmaßnahmen zu informieren. Die Johanniter-Unfall-Hilfe sorgte für kühle Getränke. Am Ende dankte Puhlmann allen Beteiligten für eine gelungene Veranstaltung.

Starke Regenfälle lösten Jahrhunderthochwasser 2013 aus

Starke Regenfälle im Osten und Süden Deutschlands haben das Jahrhunderthochwasser im Juni 2013 ausgelöst. Schätzungen zufolge entstand dabei ein Gesamtschaden von 2,7 Milliarden Euro. 63.000 Menschen mussten landesweit evakuiert werden, fünf Menschen kamen ums Leben. Insgesamt wurden neun Deichbrüche an den Flüssen Elbe, Saale, Mulde, Weiße- und Schwarze Elster verzeichnet. Der folgenschwerste war der Deichbruch in Fischbeck. Etwa 227 Millionen Kubikmeter Elbewasser überfluteten weite Teile des Elbe-Havel-Winkels. Nach der Flut konnten Ende 2013 alle Deichbrüche, Deichschlitzungen und Böschungs- sowie Bermenrutschungen wieder fachgerecht verschlossen und gesichert werden. Die DIN-gerechte Sanierung der Deichbruchstellen erfolgte in den Jahren nach 2013 und ist abgeschlossen.

Von den insgesamt rund 1.368 Kilometern Landesdeichen weisen derzeit nur noch rund 8 Prozent dringenden Sanierungsbedarf auf; 17 Prozent sind sicher, müssen aber an neue Normen angepasst werden. 75 Prozent entsprechen bereits den allgemein anerkannten Regeln der Technik, wurden DIN-gerecht saniert.