Mädchen und Jungen erleben Barrierefreiheit hautnah
Landkreis Stendal führt Workshop in fünften Klassen der Comenius-Sekundarschule durch.
Einen eindrucksvollen Projekttag zum Thema „Kinderrechte“ haben die fünften Klassen der Comenius-Sekundarschule in Stendal kürzlich erlebt. Im Fokus stand die Frage, was Inklusion im Alltag bedeutet und wie Barrieren das Leben von Menschen mit Behinderungen beeinflussen. Organisiert wurde der Workshop vom Örtlichen Teilhabemanagement im Landkreis Stendal und unterstützt von Annemarie Kock, Beraterin der Ergänzenden Unabhängigen Teilhabeberatung (EUTB), sowie von Marcus Graubner, Vorsitzender des Allgemeinen Behindertenverbands in Deutschland. Beide brachten ihre persönlichen Erfahrungen ein und ermöglichten den Schülerinnen und Schülern einen authentischen, praxisnahen Einblick in unterschiedliche Lebensrealitäten.
„Uns ist wichtig, dass Kinder früh verstehen, wie unterschiedlich Lebensrealitäten aussehen können“, erklärte Vanessa Böttcher. „Nur so können sie lernen, Rücksicht zu nehmen und sich für mehr Barrierefreiheit einzusetzen“, ergänzte Johanna Michelis. Beide bilden das Örtliche Teilhabemanagement im Landkreis Stendal.
Zum Einstieg setzten sich die Kinder mithilfe eines Quiz mit grundlegenden Fragen zu Seh-, Hör- und Mobilitätseinschränkungen auseinander. Anschließend stellte Kock verschiedene Hilfsmittel aus ihrem Alltag vor, darunter eine Braillezeile sowie die App „BeMyEyes“, die sehbehinderten Menschen im Alltag unterstützt. Graubner ergänzte dies durch persönliche Einblicke in die Herausforderungen eines Rollstuhlfahrers und zeigte auf, wie sich Barrieren im Laufe der Zeit verändert haben. Dabei verwies er auch auf die Bedeutung der UN-Behindertenrechtskonvention, die das Recht auf gleichberechtigte Teilhabe für alle Menschen betont.
Besonders eindrücklich war der praktische Teil: Mit bereitgestellten Rollstühlen des Sanitätshauses AtO konnten die Schüler selbst erfahren, welche Hürden Bordsteine, enge Wege oder unterschiedliche Bodenbeläge darstellen. In einer weiteren Übung simulierten Schlafmasken vollständige Blindheit. Mit gefüllten Wasserbechern ausgestattet, erprobten die Kinder ihren Gleichgewichtssinn ohne visuelle Wahrnehmung und erhielten erste Einblicke in den Umgang mit dem Langstock.
In der abschließenden Reflexionsrunde wurde deutlich, wie nachhaltig die Erfahrungen wirkten. Die Schülerinnen und Schüler diskutierten ihre Eindrücke und entwickelten eigene Ideen, wie Barrieren im Schulalltag abgebaut werden können, um gemeinsames Lernen für alle zu ermöglichen.
Der Projekttag machte anschaulich, dass Kinderrechte untrennbar mit Teilhabe und Chancengleichheit verbunden sind und leistete damit einen wichtigen Beitrag zur Sensibilisierung für Vielfalt und gegenseitigen Respekt. Als bleibende Erinnerung erhielten die Schüler ihre Namen in Brailleschrift.

