„Landkreise sind im deutschen Sozialsystem der Maschinenraum“
Ausschuss des Deutschen Landkreistags berät in Havelberg über Stellungnahmen zu Sozialthemen.
Zum zweiten Mal binnen eines Jahres sind am Montag und Dienstag Mitglieder des Landkreistags der Einladung von Patrick Puhlmann in den Landkreis Stendal, ganz konkret nach Havelberg, gefolgt. Waren 2026 noch die Landräte Sachsen-Anhalts in der Hansestadt zu Gast, kamen die Mitglieder nun aus der ganzen Bundesrepublik. Der Sozialausschuss des Deutschen Landkreistags, in dem der Stendaler Landrat Sachsen-Anhalt vertritt, führte seine 174. Sitzung im ArtHotel Kiebitzberg durch. Zum Rahmenprogramm gehörte auch der Besuch des Hauses der Flüsse.
„Havelberg ist ein stilles Juwel der Altmark. Eingebettet zwischen Havelarmen entfaltet sie eine fast märchenhafte Ruhe, die Besucher sofort in ihren Bann zieht. Für uns der perfekte Ort, um fachliche Tagungen dieser Größenordnung durchzuführen. Stellvertretend für unseren Ausschuss danke ich dem Landkreis Stendal für die Gastfreundschaft“, sagte Dr. Christoph Mager. „Der imposante Havelberger Dom wacht über verwinkelte Gassen und historische Backsteinhäuser. Hier verbinden sich Natur, Geschichte und Gelassenheit zu einem Ort, der entschleunigt und inspiriert. Genau das braucht es, um sich auf die vielfältigen Themen des Sozialausschusses zu fokussieren“, so der Vorsitzende des Sozialausschusses weiter.
In der Bundes- und Landespolitik werden gerade zahlreiche Debatten geführt, zu denen der Deutsche Landkreistag eine entsprechende Position bezieht, etwa zu den Themen Sozialstaatsreform oder Gesundheitsreform. Genau dazu standen in Havelberg vereinzelte Themen wie Eingliederungshilfe, Begleitung von Menschen mit Behinderung im Krankenhaus im Fokus. Weiterhin haben die Landräte über Ergebnisse der Bund-Länder-Ergebnisse zur Pflegereform gesprochen. Auch die Rentenreform wurde Thema.
„Wir haben aber auch Stellungnahmen zu bestehenden Sozialthemen vorbereitet. Denn Landkreise sind im deutschen Sozialsystem der Maschinenraum, wo Gesetzesänderungen aus Bund und Land für die Bürger umgesetzt werden. Ziel ist es hier als Landkreise aus der ganzen Republik geeint gegenüber der Bundesregierung aufzutreten - über Parteigrenzen hinweg. Wir sprechen Dinge an, die in der Praxis nicht funktionieren und unterbreiten Vorschläge, wie es besser laufen könnte“, erklärte Puhlmann.
Im Rahmen der Tagung besichtigte der Sozialausschuss am Montagabend das Haus der Flüsse. Dort konnten sich die Landräte aus der ganzen Bundesrepublik über die einzigartige Natur des Elblaufes, der Flusslandschaft Untere Havelniederung sowie über das Biosphärenreservat Mittelelbe informieren. Auf 300 Quadratmetern widmet sich die Ausstellung dem Flusssystem Elbe-Havel mit seinen Auenlandschaften und dort vorkommenden Pflanzen- und Tierarten sowie der Entwicklung der flussnahen Kulturlandschaften und wie alles im Zusammenhang steht.
„Ich empfinde es als große Wertschätzung meiner Kollegen aus ganz Deutschland, dass sie der Einladung hierher nach Havelberg gefolgt sind“, zog der Stendaler Landrat ein positives Fazit. „Wir haben hart diskutiert und gemeinsame Positionen gefunden, die es nun bei Bund und Land zu vertreten gilt.“
Hintergrund
Der Fachausschuss „Soziales“ des Deutschen Landkreistags, in dem alle deutschen Landkreise organisiert sind, befasst sich mit zentralen Fragen der sozialen Sicherung auf Landkreisebene. Seine Arbeit konzentriert sich insbesondere auf die Weiterentwicklung der Sozialgesetzgebung, die praktische Umsetzung von Leistungen der Grundsicherung sowie auf Themen wie Jugendhilfe, Pflege, Integration und Inklusion. Dabei dient der Ausschuss als Plattform für den Austausch zwischen den Landkreisen, bündelt Erfahrungen aus der Praxis und entwickelt gemeinsame Positionen gegenüber Bund und Ländern.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Bewertung finanzieller Auswirkungen sozialpolitischer Entscheidungen, da die Landkreise einen erheblichen Teil der Sozialausgaben tragen. Der Ausschuss erarbeitet Stellungnahmen zu Gesetzesvorhaben und setzt sich für praxistaugliche sowie finanziell tragfähige Lösungen ein. Damit trägt er dazu bei, die soziale Daseinsvorsorge vor Ort effizient und bürgernah zu gestalten.

