Erste-Hilfe-Abend stößt auf reges Interesse

Zwei Notärzte erklären, wie Sofortmaßnahmen im Ernstfall Leben retten.

Rund 30 Interessierte sind am Montagabend der Einladung von Sozialstärken und der Kreisverwaltung ins Landratsamt gefolgt, um von zwei erfahrenen Notärzten zu lernen, wie Erste Hilfe im Ernstfall Leben rettet. Die Resonanz war groß: Integrationslotsen, Familienpaten, Feuerwehrkameraden, Rettungssanitäter und Sozialarbeiter füllten den Raum – und zeigten damit, wie wichtig das Thema vielen Menschen im Landkreis ist.

Gleich zu Beginn machten Niels Schulze (Kardiologe) und Luca Henschen (Anästhesist) vom Universitätsklinikum Magdeburg, die beide auch als Notärzte tätig sind, deutlich, dass Deutschland bei der Ersthelfer-Reanimationsquote mit 52 Prozent international zurückliegt. Dagegen kommen skandinavische Länder auf über 70 Prozent. Jede Sekunde sei entscheidend, wenn ein Herz stehen bleibt. Ihr Wunsch: Reanimationsschulungen sollten fest im Schulalltag verankert sein und es brauche regelmäßige, leicht zugängliche Trainingsangebote für Erwachsene.

Notruf richtig absetzen

Im Austausch mit den Teilnehmern erläuterten sie, wie ein Notruf korrekt abgesetzt wird und warum insbesondere der genaue Standort entscheidend ist. Ein Einsatzbericht, bei dem Rettungskräfte zwei Stunden nach einer verletzten Person suchen mussten, verdeutlichte die Tragweite. Auch die Anzahl der Verletzten und eine verlässliche Erreichbarkeit für Rückfragen seien ausschlaggebend.

Immer wieder betonten die Notärzte den Eigenschutz der Ersthelfer. Ein Beispiel aus dem Straßenverkehr zeigte, wie schnell diese sich selbst in Gefahr bringen können, wenn zu hektisch eingegriffen wird, ohne zunächst die Unfallstelle zu sichern oder andere um Hilfe zu bitten.

Notärzte erklären typische Notfälle

Mit anschaulichen Erklärungen gingen die Referenten auf typische Notfälle ein – vom Herzstillstand über Herzinfarkt und Schlaganfall bis zu stark blutenden Verletzungen. Die Teilnehmer erfuhren, dass eine sofort begonnene Herzdruckmassage lebensrettend ist und dass auf eine Mund-zu-Mund-Beatmung bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes verzichtet werden kann. Ein Defibrillator aus dem Landratsamt diente als Demonstrationsobjekt, um zu zeigen, wie einfach diese Geräte aufgebaut sind.

Auch zu psychiatrischen Notfällen gaben Schulze und Henschen praktische Hinweise: ruhig bleiben, deeskalieren, und, wenn nötig, die Polizei hinzuziehen. Deutlich sprachen sie zudem an, dass Rettungsdienste und Notaufnahmen zunehmend durch Fälle belastet werden, die keine echten Notfälle sind – mit potenziell lebensgefährlichen Folgen für Menschen, die dringend Hilfe benötigen.

Belastungen im Einsatz

Zum Umgang mit extrem belastenden Situationen berichteten die beiden Notärzte von ihren Erfahrungen während des Anschlags auf dem Magdeburger Weihnachtsmarkt vor etwa einem Jahr. Man funktioniere in solchen Lagen einfach, sagten sie, doch im Nachgang sei es entscheidend, darüber zu sprechen – im Team, mit Familie oder weiteren Fachkräften. Feuerwehrkameraden im Publikum wiesen ergänzend auf die Bedeutung seelsorgerischer Unterstützung hin.

Der kurzweilige Abend ging schnell zu Ende, da aus dem Publikum eine Vielzahl von Fragen kamen. Die zwei Referenten wären gern noch auf Vergiftungen und Verschlucken eingegangen, doch ein Fortsetzungstermin wird bereits gewünscht. So fällt das Fazit durchweg gut aus: Der Erste-Hilfe-Abend hat gezeigt, wie groß der Bedarf an praxisnahen Informationen ist – und wie engagiert die Menschen im Landkreis Stendal bereit sind, sich für mehr Sicherheit im Alltag fortzubilden.