Demenz bewegt die Menschen im Landkreis Stendal
160 Teilnehmer gehen in den Austausch und lernen Unterstützungsangebote kennen.
Das Örtliche Teilhabemanagement des Landkreises Stendal hat am Donnerstag gemeinsam mit dem Allgemeinen Behindertenverband Stendal und Umgebung anlässlich des Europäischen Protesttags zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung zu einem Demenz-Forum ins Stendaler Landratsamt eingeladen. Dieses stand unter dem Motto „Verstehen verbindet: Teilhabe leben. Demenz mitdenken. Strukturen schaffen.“ und richtete sich an Fachkräfte aus dem Gesundheits- und Sozialbereich, an Angehörige sowie an alle Interessierten. Insgesamt 160 Gäste, darunter 60 Jugendliche der Johanniter-Pflegeschule aus Stendal, haben daran teilgenommen.
„Demenz ist ein Thema mitten in unserer Gesellschaft und was jeden betreffen kann“, sagte Patrick Puhlmann zur Begrüßung. „Wir wollen diese Menschen nicht ausgrenzen, sondern Strategien entwickeln, um genau das zu vermeiden. Deshalb haben wir dieses Forum auch im Rahmen des ‚Europäischen Protesttags zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung‘ geplant. Denn hier geht es um Sichtbarkeit, Ausgrenzung, Barrierefreiheit und Teilhabe. Zwar denkt man zuerst an andere sogenannte geistige und körperliche Behinderungen, doch am Ende gehört auch Demenz dazu. Deshalb passt es hier hin“, so der Stendaler Landrat, der sich abschließend bei allen Organisatoren bedankte, weiter.
Im Rahmen des Demenz-Forums wurde auf die steigende Zahl von Demenzerkrankungen in Sachsen-Anhalt hingewiesen. Derzeit lebten dort rund 55.000 Betroffene – so viele wie in keinem anderen Bundesland im Verhältnis zur Einwohnerzahl. Besonders ältere Menschen seien betroffen: Unter den 80-Jährigen leide etwa jede sechste Person an Demenz, bei den über 90-Jährigen sogar jede zweite. Aufgrund des demografischen Wandels sei in den kommenden Jahren mit einem weiteren deutlichen Anstieg zu rechnen.
Im Mittelpunkt des Forums standen Information, Austausch und die Entwicklung gemeinsamer Perspektiven für einen sensiblen Umgang mit Demenz im Alltag. Fachvorträge, eine Podiumsdiskussion und verschiedene Workshops beleuchteten dabei unterschiedliche Aspekte des Lebens mit der Erkrankung. „Wir haben uns für die Zukunft als Ziel gesetzt, langfristige Strukturen zu schaffen“, erklärte Vanessa Böttcher. So soll ein Arbeitskreis zum Thema Demenz entstehen, aus dem heraus Veranstaltungen geplant werden können. „Dieser soll auch Anlaufstelle für Betroffene und Angehörige werden, die damit einen Ort finden, wo ihre Sorgen gehört werden“, sagte die Örtliche Teilhabemanagerin im Landkreis Stendal weiter.
Ergänzend bot ein „Markt der Möglichkeiten“ mit zwölf Ständen, darunter das Deutsche Rote Kreuz, die Alzheimergesellschaft, das Spektrum Demenz sowie die Agentur für Haushaltshilfe, Gelegenheit, regionale Unterstützungsangebote kennenzulernen und miteinander ins Gespräch zu kommen.
Im Anschluss an das Demenz-Forum hatten die Organisatoren zu einer kostenlosen Vorführung des Dokumentarfilms Human Forever in die Uppstall-Kinos eingeladen. Der Film begleitete den jungen Niederländer Teun Toebes, der zeitweise in einer Pflegeeinrichtung für Menschen mit Demenz lebte, um deren Alltag unmittelbar kennenzulernen. Dabei machte die Dokumentation deutlich, wie wichtig Würde, Nähe und Menschlichkeit im Umgang mit Demenz sind. Eine Anmeldung für die Filmvorführung war nicht erforderlich.

