Kontrolle im Rinderzuchtbetrieb in Demker

Pressemitteilung 2018-041 vom 09.05.2018

Der derzeit durch Medienberichte im öffentlichen Interesse stehende Milchviehbetrieb im Tangerhütter Ortsteil Demker, Landkreis Stendal, besteht seit den 90er Jahren und wird seitdem durchgängig vom gleichen Betreiber geführt. Der Betrieb umfasst derzeit ca. 700 Tiere.

Anlagen dieser Art werden turnusmäßig einmal pro Jahr durch das Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt des Landkreises Stendal kontrolliert. Dabei werden durch einen Tierarzt alle mit der Tierhaltung im Zusammenhang stehenden Komponenten des Betriebes kontrolliert und die Tiere des Bestandes in Augenschein genommen. Diese reguläre Kontrolle fand in dem Betrieb am 29.01.2018 statt. Dabei traten keine gravierend kritischen Befunde zutage.

Am 3. April 2018 erhielt der Landkreis Stendal einen anonymen Anruf, in dem angebliche Missstände in der Tierhaltung angezeigt wurden. Die Angaben waren nicht vollständig schlüssig und teilweise lückenhaft. Der Anrufer hatte seine Rufnummer unterdrückt und machte auch keine Angaben zu seiner Person, so dass eine Rückfrage nicht möglich war.

Daraufhin wurden im Veterinäramt sämtliche verfügbaren Dokumente über den Betrieb zusammengestellt, weitere Informationen eingeholt und es wurde eine außerplanmäßige, unangekündigte Kontrolle vorbereitet. Diese fand am 9. April statt. Bei dieser Prüfung waren keine Anzeichen zu erkennen, die die anonym vorgebrachten Anschuldigungen belegen konnten.

Am 30.04. und am 07.05. gingen Medienanfragen zu angeblichen Verstößen gegen den Tierschutz in dem Betrieb beim Landkreis Stendal ein. Der Bitte der Kreisverwaltung, dem Veterinäramt Dokumente oder Bilder zur Verfügung zu stellen, die diese Vorwürfe belegen könnten und die eine gezielte Kontrolle ermöglichen würden, wurde nicht nachgekommen.

Aus diesem Grunde führte der Landkreis Stendal heute, am 09.05.2018, eine erneute, unangekündigte Überprüfung der Tierhaltung durch.

Auf dem Gelände wurde kein verendetes Tier gefunden. Die Tierärzte überprüften alle Ställe, das gesamte Außengelände und ließen sich auch alle verschlossenen Räume zeigen. Jedes einzelne Tier wurde durch einen Tierarzt in Augenschein genommen. Bei dieser Prüfung wurde kein misshandeltes oder vernachlässigtes Tier gefunden. Alle in den Ställen befindlichen Tiere wurden anhand ihrer Ohrmarke identifiziert und in eine Bestandsliste eingetragen. Diese Liste wurde anschließen mit den Angaben in der bundesweiten Datenbank „Herkunfts- und Informationssystem Tier (HIT)“ und den Entsorgungsprotokollen des Tierkörperverwerters abgeglichen. Dabei konnten keine Abweichungen festgestellt werden.

Zu den Vorwürfen der Tierschutzorganisation und der Medien wurde der Tierhalter ausführlich befragt. Dieser zeigte sich sehr kooperativ und machte alle von ihm gewünschten Angaben. Insbesodere erläuterte er präzise, wie auf dem Hof verfahren wird, wenn ein Tier verendet. Passiert dies in den Nachtstunden, dann wird der Kadaver sofort am nächsten Morgen in den sogenannten Kadaverraum verbracht. Danach erfolgt eine Anmeldung bei der Tierkörperverwertungsfirma. Diese fährt den Hof bei Bedarf dreimal pro Woche an.

Der Amtstierarzt des Landkreises Stendal schätzt ein, dass es sich bei dem Unternehmen nicht um einen Vorzeigebetrieb handele. Der bauliche Zustand der Anlage sei sanierungsbedürftig, die Haltungsbedingungen lassen jedoch noch eine Tierhaltung zu. Futtermittel wurden in ausreichender Menge vorgefunden und ernährungsphysiologisch weisen die Rinder keinen Mangel auf. Die Tiere seien sauber, ohne Kotanhaftung und die Unterbringung fachgerecht.

Der Abgang sei zwar mit 46 Tieren im Zeitraum Januar bis Mai 2018 relativ hoch. Es konnten jedoch keine Anzeichen dafür festgestellt werden, dass verändete Tiere längere Zeit im Bestand gelassen worden sind. Der Tierhalter versicherte, dass in seinem Betrieb alle Regeln im Umgang mit verendeten Tieren eingehalten werden.

Dass in den schlecht ausgeleuchteten Filmaufnahmen der Eindruck von mumifizierten Kadavern entstehen könne, erklärte der Tierhalter mit dem Umstand, dass als Einstreu ein Mineral-Kalk-Gemisch verwendet wird. Das hinterlasse auf der Tierhaut einen weißlichen Schleier.

Zur Behandlung von Kälbern führte der Betreiber aus, dass die Kühe rechtzeitig vor dem Abkalben in einen Trockensteherstall verbracht werden. Dieser sei mit ausreichend Einstreu versehen, so dass tiergerechte Bedingungen für das Abkalben vorliegen. Die Tierärzte konnten diesen Stall, in dem sich heute mehrere Kühe befanden, in Augenschein nehmen und bestätigten die fachgerechte Aufstallung der tragenden Kühe.

Sollten in Filmaufnahmen Bilder von einem Kalb zu sehen sein, welches durch einen Kotschieber bewegt wird, so könne es sich nur um eine Frühgeburt handeln, die vor dem Verbringen der Mutterkuh in den Trockensteherstall passiert ist.

In Auswertung der heutigen Kontrolle wurde die bisherige Haltung des Veterinäramtes bestätigt, dass keine Veranlassung bestehe, den Betrieb zu schließen oder eine Tierhaltungs- oder betreuungsverbot auszusprechen.

Der Landkreis Stendal wird die bei der Kontrolle gesammelten Daten weiter analysieren und den für heute angekündigten Fernsehbeitrag auswerten. Sollten daraus neue Erkenntnisse gewonnen werden, die bisher nicht erkennbar waren, dann werden, soweit notwendig, weitere Schritte eingeleitet.

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