Seehäuser Feldschmiede im Kreismuseum Osterburg

Museumsleiter präsentiert seine neueste Entdeckung

Im Kreismuseum Osterburg wird ab sofort der neueste Fund, eine sogenannte Feldschmiede aus Seehausen, zusammen mit der aktuellen Sonderausstellung „Handwerk – Werke der Hand“ des AhA – Archivs historische Alltagsfotografie präsentiert.

Die Feldschmiede wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts von dem Hersteller Brand & Grasemann „BUG“ aus Gotha gefertigt. Sie besteht aus einem gusseisernen Gestell. Ein Pedal mit Antriebsrad und Lederriemen treibt die Welle eines Ventilators an. Auf dem Gestell ist eine eiserne Herdplatte, in deren Mitte die Feuergrube zu finden ist. Befeuert wird diese Feldschmiede mit Steinkohle, der fußbetriebene Ventilator bringt die Glut auf die benötigte Temperatur. Mit zwei Hebeln wird die Luftzufuhr reguliert.

Florian Fischer, Leiter des Kreismuseum Osterburg, lädt Sie zur eigenen Erkundung ein und freut sich auf Ihren Besuch. Der neue Fund und die interaktive Ausstellung können noch bis zum 21. August 2022 zu folgenden Zeiten besichtigt werden:

  • Dienstag bis Freitag jeweils von 9 bis 12 Uhr und von 13 bis 16 Uhr
  • sowie Sonntag von 14 bis 17 Uhr 

 

Zur Feldschmiede

Eine Feldschmiede ist ein transportierbarer Schmiedeherd. Da diese leicht und transportierbar ist, setzten Schlosser und Schmiede sie direkt vor Ort ein. Die mobilen Schmieden eigneten sich beispielsweise für das Anpassen der Hufeisen beim Beschlagen von Pferden auf den Höfen oder zur Erhitzung von Gas- und Wasserrohren auf Baustellen.

Auch beim Brückenbau oder im Bereich Eisenbahn wurden Feldschmieden eingesetzt. Im Feuer konnten Nieten für das Zusammenfügen von Metall erhitzt werden. Beim Vernieten mussten nämlich erwärmte Nieten eingeschlagen werden. Die Wärme bewirkt, dass die Nieten sich beim Einschlagen verformen und dauerhaft zwei übereinanderliegende Metallteile miteinander verbinden. Um die Teile danach zu lösen, muss die Niete zerstört werden.

Zusatzinformation

1856 wurden in Seehausen insgesamt 18 Schlosser genannt. 1930/31 findet man im Adressbuch des Kreises Osterburg in Seehausen insgesamt 4 Schmiedemeister und zwei Schlossermeister.

Noch um 1800 waren in Seehausen 37.5 % der 500 Erwerbstätigen Handwerker, also 187 insgesamt. Sechs Hufschmiede waren in dieser Zeit im Ort ansässig. Die größte Gruppe der Handwerker waren die Schuhmacher, insgesamt 50 konnten ermittelt werden.