Pressekonferenz zum Wildpark Weißewarte

vom 14. Oktober 2021 als Live-Mitschnitt

"Tierwohl ist Tierwohl, seit 2002 als Staatsziel im Grundgesetz festgeschrieben, da kann es keinen Rabatt geben", stellte Patrick Puhlmann in einer Pressekonferenz vom 14. Oktober 2021 eingangs klar. Dies könne auch nicht das Ansinnen der Besucher sein. "Doch die Kehrseite von anderthalb Jahren Zeitgeben und den Betreiberverein beratend darin zu unterstützen, alle notwendigen Voraussetzungen für die Ausstellung einer Zoogenehmigung zu erfüllen, ist, dass es jetzt zeitlich eng wird", räumte der Landrat mit Blick auf den Stichtag 31. Januar 2022 ein. Dann nämlich endet eine gesetzlich festgelegte zweijährige Übergangsfrist, in der ein Tier-/Wildpark auch mit einer vorläufigen Zoogenehmigung betrieben werden kann.

[Zum Hintergrund: Mit einem personellen Wechsel innerhalb der Wildparkleitung Ende Januar 2020 entfiel der Sachkundenachweis. Seither wird der Wildpark Weißewarte per vorläufiger Zoogenehmigung geführt.]

Auflagen seit 1,5 Jahren bekannt

Die Forderung, der Landkreis Stendal solle mit seinen Auflagen nicht so streng sein, es handele sich schließlich um Ehrenamtliche, beantwortete der Landrat so: "Ob ehrenamtlich oder hauptamtlich, das macht keinen Unterschied. Bei der art- und tiergerechten Haltung gelten Gesetze. So oder so. Und ich stelle den Menschen im Betreiberverein nicht in Abrede, dass sie durchaus engagiert sind und auch echte Fortschritte erzielt haben." Manche Schritte seien allerdings nur auf Papier gegangen und nicht in der Praxis gelebt worden, was pathologische Befunde und Kontrollen vor Ort bestätigen würden. Im Übrigen: "Das Veterinäramt kommt entgegen anderslautender Meinung nicht mit immer neuen Forderungen um die Ecke. Die Auflagen sind seit 1,5 Jahren grundsätzlich gleich, lediglich der letzte Stand wurde in einer tierschutzrechtlichen Verfügung vom 30. Juli 2021 festgehalten", wies der Landrat auf folgende Punkte hin:

  1. Auflage hinsichtlich der Sachkunde:
    Verbindliche Regelung der Verantwortungsstrukturen, so dass spätestens ab dem 09.08.2021 in sämtlichen tierschutzrechtlichen Belangen ausschließlich Personen entscheidungs- und weisungsbefugt sind, die über einen Abschluss als Tierarzt/ärztin oder als Tierpfleger/in verfügen.
  2. Auflage hinsichtlich baulicher Notwendigkeiten:
    Schaffung von Haltungseinrichtungen zur Geburten- und Jungtierüberwachung. Sicherstellung, dass alle Tierarten in diese Einrichtungen verbracht und entsprechend überwacht werden können.

  3. Auflage hinsichtlich tierschutzrechtlicher Bestimmungen:
    Schaffung von Einrichtungen zur Quarantäne und Absonderung für die jeweiligen Tierarten.

Gravierende Mängel sprechen gegen Zoogenehmigung

Der Landkreis Stendal hat Strafanzeige wegen tierschutzrechtlicher Verstöße gestellt. Zudem läuft ein Verwaltungsverfahren, dessen Anhörungsfrist am 20. Oktober 2021 ausläuft. Dies betreffe Mängel in der Fütterung und Unterbringung der Tiere während der Geburtsphase, in der Tierkörperbeseitigung und fachkundlichen Kontrolle des Tierbestands. "Wenn bei Kontrollen klar herauskommt, das Krankheiten und Schwäche von Tieren nicht erkannt und nicht behandelt werden und sie dann mit Qualen verenden, dann kann keiner erwarten, dass wir als Landkreis mit einer Zoogenehmigung noch einmal bescheinigen, dass alles in Ordnung ist. Leider hat der jetzige Betreiberverein das Hilfeangebot des Veterinäramtes nur allzu oft als Behinderung der Arbeit vor Ort angesehen. Das Ergebnis wird nach derzeitigem Kenntnisstand die Versagung der vom Betreiberverein am 6. Februar 2020 beantragten Zoogenehmigung sein", ließ Patrick Puhlmann keinen Zweifel am Ernst der Lage offen und kündigte für die kommende Woche Gespräche mit dem Stadtrat Tangerhütte an.

[Zum Hintergrund: Der Wildpark Weißewarte befindet sich in kommunaler Trägerschaft der Einheitsgemeinde Stadt Tangerhütte.]
 
"Der Wildpark ist ein touristisches Magnet mit langer Tradition für unsere Region. Er hat das Hochwasser 2013 überstanden. Ich bin mir sicher es wird auch für die jetzige Situation eine Lösung zum Erhalt geben", blieb der Landrat optimistisch und betonte auch zum Schluss: "Es geht nicht darum, den Wildpark Weißewarte zu schließen."
 
Die Pressekonferenz vom 14. Oktober 2021 im Landratsamt kann in voller Länge verfolgt werden.

 
Weitere Themen der Pressekonferenz:

  • Aktuelles Corona-Infektionsgeschehen + Einsatz des mobilen Impfteams
  • Nachfragen zum Sachstand der Ausschreibung des Rettungsdienstes
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