Kostenloses Schülerticket

Im Dezember letzten Jahres wurde der Landrat durch den Kreistag beauftragt zu prüfen, unter welchen Voraussetzungen alle Kinder den öffentlichen Personennahverkehr im Landkreis Stendal kostenlos nutzen können.

Die daraufhin von der Verwaltung eingereichte Beschlussvorlage wurde mehrfach und intensiv im Schul-, Sport- und Kulturausschuss beraten. So wurde letztendlich von der Verwaltung vorgeschlagen, dass alle Schülerinnen und Schüler der allgemeinbildenden Schulen bis einschließlich 10. Schuljahrgang, der Förderschulen, des Berufsvorbereitungsjahres und des ersten Schuljahrgangs der Berufsfachschulen ohne eigenes Einkommen mit Hauptwohnsitz im Landkreis Stendal ganztägig und an allen Kalendertagen den Busverkehr unentgeltlich nutzen dürfen. Schülerinnen und Schüler der Schuljahrgänge 11 und 12 könnten das kostenlose Schüler(innen)ticket abzüg-lich einer Eigenbeteiligung von 100 Euro je Schuljahr nutzen.

Die Umsetzung sollte dem Landkreis knapp 782 000 Euro kosten. Zusätzlich war das kostenlose Schü-ler(innen)ticket an folgende Bedingungen geknüpft: Die Nutzung des Rufbusses und der Bahn-strecken wäre nicht zulässig. Das würde die Kosten weiter erhöhen.

Außerdem dürften sich die Kosten beim Verkehrsunternehmen für den Busverkehr nicht erhöhen.
In der letzten Beratung einigte sich der Schulausschuss auf die Empfehlung, die Beschlussvorlage zurückzustellen, bis die Finanzierung geklärt ist. Weiterhin sollten die Nutzungsmöglichkei-ten für die Schüler je Ort laut Fahrplan dargelegt werden.

Auch im Finanz-, Haushalts- und Liegenschaftsausschuss erwies sich die Frage der Finanzierung als bedeutendes Hindernis.

Die Summe ist bei dem bereits jetzt sehr stark angespannten Haushaltsentwurf 2021 nicht darstellbar. Aus den vorgenannten Gründen wurde die Beschlussvorlage von der Verwaltung zurückgezogen.

Landrat Patrick Puhlmann: „Ich hatte die Erarbeitung der Kosten im November 2019, damals noch als Kreistagsmitglied, selbst von der Verwaltung eingefordert. Es ging darum zu festzustellen, ob diese Verbesserung für die Schülerinnen und Schüler des Landkreises zu erschwinglichen Mehrkosten eingeführt werden kann. Das Ergebnis ist einigermaßen ernüchternd. Einerseits die sehr hohen Kosten, andererseits bekommen wir dafür noch nicht mal ein gutes und schülerfreundlicheres Busangebot. Da selbst bei den hohen Kosten wichtige Angebote, wie der Rufbus oder die Bahn herausfallen, verbessert sich für die Mobilität von Schülerinnen und Schülern gerade im ländlichen Raum kaum etwas. Wo kein regulärer Linienbus am Wochenende verkehrt, nutzt mir auch das kostenlose Ticket nichts. Wir werden uns vorerst auf die Verbesserung des Angebotes konzentrieren müssen. Das gehen wir an und werden in diesem Zusammenhang das Thema Schülerticket erneut aufgreifen. Zur Mobilitätsfrage gehört nämlich dann auch die Preis-frage definitiv dazu, denn es gilt auch: Was nützt mir das beste Angebot, wenn ich es mir nicht leisten kann.“

Die Einführung von kostenlosen Schüler(innen)tickets soll deshalb in die Erarbeitung eines Verkehrskonzeptes (der Kreistag hatte am 12.11.2020 die Erarbeitung eines solchen Verkehrskonzeptes beschlossen) mit einfließen und eine Einführung dort konkreter untersucht werden.

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