Regionales MRE-Netzwerktreffen am 23.05.2018

Die diesjährige Veranstaltung fand wieder mal ein reges Interesse. Es nahmen 60 Personen aus verschiedenen medizinischen Einrichtungen des Landkreises Stendal teil.

Die Begrüßungsworte der Amtsärztin Frau Dr. Iris Schubert   
(Gesundheitsamt Stendal):

Antibiotikaresistenzen stellen die gesellschaftliche Herausforderung der heutigen Zeit dar.

Die antibiotische Ära wurde durch den berühmten deutschen Mediziner Paul Ehrlich und den schottischen Bakteriologen  Alexander Flemming  Anfang des 20. Jahrhunderts begründet.

Die Antibiotikaentwicklung war von Beginn an ein Geschenk für die Gesundheit der Menschen. Von Anfang an gab es aber auch das Problem der Antibiotikaresistenzen.

Wenn ein neues Antibiotikum auf den Markt kommt dauert es nicht mehr als 3 – 5 Jahre bis die ersten Resistenzen auftreten.

Das Problem der Antibiotikaresistenzen ist aber viel komplexer.

Wussten Sie, dass Resistenzen ein natürliches Phänomen sind? Das wurde in einer Studie im Jahr 2011 deutlich, als Wissenschaftler bei der Untersuchung von Permafrostboden dreißigtausend Jahre alte Bakterien-DNA untersuchten. Dabei fanden sie Resistenzen gegen ß-Laktam-, Tetrazyklin- und Glykopeptid-Antibiotika. (Bundesgesundheitsblatt – Insitut für Mikrobiologie und Tierseuchen, Zentrum für Infektionsmedizin der Freien Universität Berlin)

Resistenzen gab es also schon lange bevor die Menschen Antibiotika verwendet haben.

Heute fördert jeder Einsatz von Antibiotika die Selektion und Verbreitung von Resistenzen.

In Deutschland liegt die durchschnittliche Verschreibungsquote in der primären medizinischen Versorgung bei 50 % und jede dritte Antibiotikaverschreibung eines Hausarztes ist medizinisch nicht angemessen (DAK Gesundheit 2014).

Im Intensivmedizinischen Bereich kommt es nicht selten zu einem unkorrekten Einsatz von Antibiotika. So fiel in einer Studie des RKI von 2011 auf, dass die Antibiotikaprophylaxe bei einem hohen Anteil der Patienten (69 %) über den OP-Tag hinaus erfolgte. Bei knapp einem Drittel der angewendeten Antibiotika wurde nicht vermerkt, warum sie gegeben wurden.

Auch Patienten tragen eine Mitverantwortung für ihren Antibiotikagebrauch. Manche beenden die Antibiotikaeinnahme vorzeitig, andere bewahren Antibiotika auf und führen bei späteren Erkrankungen eigenmächtig eine häufig nicht angemessene Selbstmedikation durch.

Die Veterinärmedizin hat ebenfalls einen relevanten Anteil an der Antibiotikaanwendung.  Antibiotika werden in der landwirtschaftlichen Nutztierhaltung zur Therapie und zur Leistungsförderung eingesetzt. Letzteres ist seit 2006 in der EU verboten, wird aber in vielen Ländern  noch praktikziert. In den USA trat das Verbot erst 2017 ein.

Durch den Einsatz von Antibiotika in der Medizin ist auch die Umwelt betroffen. Humanantibiotika werden nach der Einnahme zum Teil unverändert oder als Metaboliten ausgeschieden, welche in der Abwasserreinigung nicht vollständig entfernt werden und somit in Fließgewässer und das Grundgewässer gelangen.

Die Gesundheit vom Menschen hängt also eng mit der Gesundheit von Tieren und der Umwelt zusammen und nur durch die Zusammenarbeit zwischen all diesen Bereichen kann für eine optimale Gesundheit gesorgt werden.

Fangen wir bei uns Menschen an!

Das Wissen über den korrekten Umgang mit Antibiotika ist die wesentliche Voraussetzung, um das Resistenzproblem in den Griff zu bekommen.

Ich hoffe und wünsche uns, dass wir mit der heutigen Veranstaltung wieder ein Stück bewusster und auch schlauer mit den Antibiotika umgehen, damit sie den Menschen noch lange hilfreich zur Verfügung stehen.


In der Anlage finden Sie das Programm der Veranstaltung sowie die zwei Handouts der Vorträge.

 

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