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Augusthochwasser 2002

Entstehung des Elbe-Hochwassers 2002

Das Hochwasser vom August 2002 in den Einzugsgebieten von Elbe, Mulde und vielen Nebenflüssen entstand durch außergewöhnlich hohe Niederschlagsmengen. Sie fielen auf einen Boden, dessen Wasserrückhaltevermögen durch Vorregen bereits geschwächt war, so dass die Bodenflächen wie versiegelt wirkten. Diese Unwetterlage betraf nahezu das gesamte Einzugsgebiet im Oberlauf der Elbe. Die ersten 13 Tage des August 2002 in Zentraleuropa waren gekennzeichnet von 3 aufeinander folgenden Starkniederschlagsereignisse mit einem sich langsam nordostwärts verlagernden Adriatief.

Witterungsperiode I (01. - 05.08.2002)

In dieser Periode bestimmte ein sich langsam von der Bretagne entlang der Küste in Richtung Beneluxländer verlagernder Höhenwirbel mit einem Bodentief das Wetter. Dadurch wurde feuchtwarme Mittelmeerluft herangeführt, die vorwiegend in Nord- und Nordostdeutschland stellenweise neue Rekorde bei den täglichen Niederschlagshöhen hervorrief. Die Auswirkungen machten sich zunächst in Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen, Niedersachsen und Brandenburg bemerkbar. Am 4. August betraf ein weiteres Starkniederschlagsereignis hauptsächlich den Nordosten Deutschlands und am 5. August die Küstengebiete. Diese Regenmengen resultierten aus Gewitterfronten, die sich immer wieder innerhalb einer labilen feuchten Luftmasse bildeten.

Witterungsperiode II (06. - 08.08.2002)

Die zweite Witterungsperiode war gekennzeichnet durch großräumige Starkniederschläge, die entstanden, als sich ein Tief mit feuchtwarmer Luft vom Mittelmeer über Norditalien nach Norden bewegte und dort auf kühlere Luftmassen stieß. Dieses Tief entwickelte sich an einer über den Alpen verlaufenden Front und griff mit seinem Regengebiet am Vormittag des 6. August auf den Süden Deutschlands und Teile Österreichs über. Die Gesamtniederschläge dieses Unwetterereignisses betrugen bis über 140mm und damit deutlich mehr als der normale Monatsnie-derschlag im August. Das Starkniederschlagsgebiet wanderte im Laufe des 08. August weiter nach Nordwesten. Dabei traten im Bereich der Weser- und Elbemündung nochmals extreme Niederschläge auf.

Witterungsperiode III (09. - 13.08.2002)

Die Regenereignisse im südlichen Zentraleuropa ließen am 08. August nach. Es entwickelte sich allerdings über Skandinavien ein Hochdruckgebiet sowie ein ausgeprägter Höhentrog, der von Island bis Nordafrika reichte, und in dem ein sekundärer Höhentrog über Norditalien lagerte. Der Wirbel verlagerte sein Zentrum von den Beneluxländern zum Golf von Genua und zog von dort weiter nach Ungarn. Vor den Britischen Inseln entwickelte sich zusätzlich das kleine aber wetterintensive Bodentiefdruckgebiet ILSE, welches am 09. August Richtung Südengland zog. Einen Tag später schwächte sich das Tief (ILSE I) beim Übergang auf das Festland ab. Die Fronten verursachten in Süddeutschland neue schauerartige bzw. gewittrige Niederschläge. Unter dem sekundären Höhentrog über Norditalien bildete sich der eigenständige Wirbel ILSE II aus, der sich gleichzeitig mit dem in Richtung Ungarn verlagernden Höhentrog erst ostwärts zur Adria und dann über die Ostalpen hinweg Richtung Polen verlagerte (Vb-Entwicklungstief). Bis zum 13. August blieb der Tiefdruckwirbel ILSE II für Zentraleuropa wetterbestimmend, da der Kern nur langsam nach Polen zog. Die in ihm gehobene feucht-warme subtropische Luft aus dem Mittelmeerraum hatte auf einem breiten Streifen, der von Brandenburg über Sachsen und Böhmen hinweg bis nach Ostbayern und Österreich reichte, ungewöhnlich starken Regen zur Folge.
Zusammenfassend war das Kennzeichen des Sommers 2002 die wiederholten hochreichenden Kaltluftvorstöße ins Mittelmeer. Scharfe Tröge weiteten sich bis nach Nordafrika aus, aus denen sich selbstständige Wirbel abspalteten. Diese Wetterlage ist im Rahmen der nordatlantischen Oszillation nicht ungewöhnlich, aber eher im Frühjahr und Herbst anzutreffen. Da die Luftmassen über dem Mittelmeer bei den höheren Wassertemperaturen im Sommer erheblich mehr Wasserdampf aufnehmen können, kam es zu Starkregenfällen, von denen in Deutschland vornehmlich Ostbayern und Sachsen betroffen waren. [Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG): Das Augusthochwasser 2002 im Elbegebiet; September 2002]

Ablauf des Elbe-Hochwassers 2002

Die meteorologischen Gegebenheiten zeigen, dass das Elbe-Hochwasser 2002 bereits in der Tschechischen Republik als außergewöhnlich einzustufen ist. Es waren vor allem Moldau, Eger und abgeschwächt die obere Elbe betroffen, so dass am Pegel Usti nad Labem (38 km oberhalb der tschechisch-deutschen Grenze) ein Wellenscheitel von über 5000 m³/s zu verzeichnen war. Von hier bis Dresden trat die Elbe folglich erheblich über die Ufer. Eine Betrachtung der Wasserstände an ausgewählten Elbpegeln und einigen Pegeln von Nebenflüssen zeigt, dass alle Wellen bei mittleren Abflüssen begannen, die von der Vorregenperiode erzeugt wurden. Eine Verflachung der Welle ist von Süden nach Norden erkennbar. Bis zum Pegel Torgau sind die Anstiege relativ steil und die Scheitel schmal. Ab Wittenberg hingegen geht der zunächst steile Anstieg in einen früher abfallenden Ast über. Die Wasserstandsganglinien der weiteren Pegel weisen ein über mehrere Tage andauerndes Plateau auf. Die vier bedeutendsten Nebenflüsse der Elbe auf deutschem Gebiet waren unterschiedlich an dem Abflussgeschehen der Elbe beteiligt. Es zeigt sich, dass nur die Mulde einen erheblichen Einfluss ausübte.   
Nebenfluss  Zufluss [m³/s]
Schwarze Elster (Pegel Löben)80
 Mulde (Pegel Bad Düben) 1500
Saale (Pegel Calbe-Grizehne)295
Havel (Pegel Havelberg)140

Eine Kappung der Hochwasserscheitel wurde zum einen durch Deichbrüche hervorgerufen, zum anderen durch gezielte Flutung von Überflutungsflächen (Poldern) erreicht.
Bis hin zum Pegel Aken sind noch weitere 5 größere Flächen durch Deichbrüche geflutet worden, deren Volumenbeiträge allerdings nicht ins Gewicht fallen. Geht man davon aus, dass diese Deichbrüche nicht stattgefunden hätten, wäre beispielsweise in Wittenberg die Hochwasserwelle 18 Stunden später mit einem Scheitelabfluss von 4200 m³/s statt 3500 m³/s eingetroffen. In Aken hätte er 12 Stunden später mit über 6000 m³/s statt 4700 m³/s erreicht. Dies hätte mit Sicherheit zu Deichbrüchen an anderen Orten geführt, wobei spätestens Magdeburg erheblich betroffen gewesen wäre. Unterhalb von Aken sind zwei weitere Gebiete in der näheren Umgebung von Magdeburg überflutet worden. Ein kleinerer Bereich mit ca. 1,2 km² und der Umflutkanal. Daher sind die für Aken genannten Auswirkungen überschlägig auf Magdeburg zu übertragen.
 Gebiet  Größe abgeführtes VolumenUrsacheDurchflussminderung [m³/s] bzw. Scheitelminimierung [cm]
Elbe-km 168 bis Mündung Schwarze Elster (Dautschen)193,9 km²300 Mio. m³mehrere Deichbrücheca. 40 cm
Elbe-km 214 (Pratau)25,5 km²30 Mio. m³Deichbruch50-150 m³/s
 Elbe-km 233  73,3 km² 80 Mio.m³Deichbruch250-350 m³/s

Eine Kappung des Elbescheitels konnte weiterhin durch eine gezielte Polderflutungen an der Havelmündung erreicht werden. Zunächst wurde der Gesamtabfluss der Havel zurückgehalten (140 m³/s), wodurch sich für die Elbe eine vorläufige Minderung um ca. 10 cm ergab. Später erfolgte 65 Stunden lang die Flutung der Havelniederung mit Elbewasser. Ein weiteres Volumen von ca. 75,4 Mio. m³ konnte dadurch zurückgehalten und der Elbescheitel um 40 cm gekappt werden.
Insgesamt entzogen die Retentionen an der Elbe (gesteuert oder von Deichbrüchen verursacht) dem Hochwasserscheitel rund 500 Mio. m³ Wasser. Diese Menge ist später der Elbe entweder wieder zugeflossen oder zurückgegeben worden. [Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG): Das Augusthochwasser 2002 im Elbegebiet; September 2002]

Chronik des Augusthochwassers 2002 im Landkreis Stendal

Datum   Ereignis
 14.08.2002  Einberufung des Stabes für außergewöhnliche Ereignisse; erste Kontaktaufnahme seitens des LHW (Flussbereiche Genthin und Osterburg); Pegel Tangermünde bei 3,95 m (ein Meter mehr als am Vortag)
15.08.2002Einberufung KatS-Stab und Sitzung mit Feststellung Katastrophenfall um 14:00 Uhr; 14:30 Uhr Informierung Regierungspräsidium über Katastrophenfall; erste Lagefeststellung
16.08.2002

Einsatzabschnitt (EA) 1: Erweiterung Treuldeich im Ohrekreis - bei keiner rechtzeitigen Fertigstellung Überflutung der Bereiche Tangerhütte, Uetz, Cobbel, Uchtdorf und Birkholz;

EA 2: Buch - Aufkadung des linken Elbedeichs (Ortslage Bittkau) auf ca. 1,5 km Länge

EA 3: Fährkrug - Aufkadung des linken Elbedeichs um bis zu 50 cm

EA 4: Elbdeich bei Klietz-Sandau - Aufkadung des rechten Elbedeichs in Senken des "Hohen Geländes"

17.08.2002

EA 1: Treuldeich im Ohrekreis - Fortsetzung Schließung der Lücke im Deich; Beginn Evakuierung auf Freiwil-ligkeit Raum Tangerhütte durch Deutsches Rotes Kreuz (DRK)

EA 2: Buch - Fortsetzung Aufkadung des Deiches, Sperrung der L 31 Tangermünde-Bölsdorf

EA 3: Fährkrug - Aufbau einer Technischen Einsatzleitung "Fährkrug"; Verstärkung Deichsicherung mittels Baumfällarbeiten

EA 4: Klietz-Sandau - Aufbau einer TEL "Klietz"; Fortsetzung Aufkadung des Elbdeiches

EA 5: Wanzer/ Aulosen - Alandabschlussbauwerk wird geschlossen

18.08.2002

Erklärung sämtlicher Deiche im Landkreis Stendal zu Sperrgebieten; Salzwedel verfüllt Sandsäcke für Landkreis Stendal; erste Auswirkungen durch Rückstau des Tangers

EA 1: Treuldeich im Ohrekreis - anhaltende Evakuierung auf Freiwilligkeit, Schwerpunkt: Pflegeheim Tangerhütte

EA 2: Buch - Sandsackbefüllung durch Freiwillige bei Buch

EA 3: Fährkrug - anhaltende Deichsicherung mit Baumfällarbeiten

EA 8: Fischbeck - Schließung Deichscharte Fischbeck als Vorsorgemaßnahme

19.08.2002

Sperrung B189 in Abstimmung mit Polizei; Überflutung Elversdorf und Demker durch Rückstau des Tangers; Sperrung der Straße zwischen Tangermünde und Hämerten wegen Schaulustiger

EA 3: Fährkrug - Einleitung von Sofortsicherungen wegen Deichverletzungen im Bereich Rosenhof

EA 5: Wanzer/ Aulosen - Beginn der Sicherung der Aland-Deiche

EA 6:Buch - Feststellung von Sickerstellen am Bucher Deich

20.08.2002

EA 2: Buch - Deich bei Buch entwickelt sich zu Schadensschwerpunkt, Einsatz von Bundeswehr, Hubschraubern und Spezialtechnik erforderlich

EA 4: Klietz-Sandau - Abrutschen des Deiches bei Sandau auf 50 m, Einsatz Bundeswehrhubschrauber und Errichtung einer provisorischen Straße notwendig

EA 5: Wanzer/Aulosen - Einrichten einer Sandsackfüllstation in Aulosen

EA 7: Wehrgruppe Quitzöbel und Haveldeiche - 21:05 Uhr Öffnung Wehr Neuwerben und Schlitzung der Polder, um Scheitelhöhe der Elbe bei Wittenberge zu kappen

21.08.2002

EA 3: Fährkrug - Fortführung der Sicherungsmaßnahmen und Kontrollen

EA 4: Klietz-Sandau - Verstärkung der Deichsicherung bei Sandau

EA 6: Buch - kritische Lage am Deich bei Buch; weiterhin Deichsicherungsmaßnahmen; Einsatz von Hubschraubern erforderlich; Vorbereitungen für den Versuch des Aufbaus einer provisorischen Faltstraße

EA 7: Wehrgruppe Quitzöbel und Haveldeiche - Teilbereiche Vehlgast-Kümmernitz und Bömenzin überflutet

22.08.2002

EA 4: Klietz-Sandau - erfolgreicher Abschluss der Deichsicherungsmaßnahme Sandau

EA 6: Buch - anhaltende Deichsicherungsmaßnahmen durch Schaffung von provisorischen Qualmpoldern

23.08.2002

EA 6: Buch - Stabilisierung der Lage bei Buch

EA 7: Wehrgruppe Quitzöbel und Haveldeiche - Schließung Wehr Neuwerben um 10:00 Uhr und Öffnung Gnefsdorfer Wehr (Quitzöbel) um 16:00 Uhr

24.08.2002Meldung über erste Ausfälle der Kläranlage Havelberg; nach Überprüfung Feststellung über Abschaltung zweier Schöpfwerke
25.08.2002

erste Rückbaumaßnahmen laufen an

EA 5: Wanzer/ Aulosen - Feststellung Unterspülung des Stresower Wehres; Sicherung des Wehres unter Leitung des LHW

26.08.2002Sicherung des Stresower Sieles; Beginn des geordneten Rückbaues; Rücktransport der freiwillig evakuierten Personen und Personen aus den Pflegeheimen
27.08.2002weiterer Rückbau der Deichverstärkungen und Aufkadungen
28.08.2002Aufhebung Katastrophenfall um 18:00 Uhr; Verabschiedung Kräfte DRK, THW, Bundeswehr, Feuerwehr und weiteren

06.08.2010

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