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Ausgewählte Denkmale im Landkreis Stendal

An dieser Stelle werden in loser Folge einige Denkmale auf dem Territorium des Landkreises Stendal beschrieben. Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und wird im Laufe der Zeit ergänzt.

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Vorgestellt: Die Alte Gießereihalle des Eisenwerkes Tangerhütte

Denkmal des Monats September 2015

Die Alte Gießereihalle des Eisenwerks Tangerhütte

Denkmal des Monats ist diesmal die Alte Gießereihalle in der Industriestraße in Tangerhütte. Sie gehört zum ehemaligen Eisenwerk der Stadt und wurde 1896 in der typischen Backsteinarchitektur der damaligen Zeit errichtet. Sie ist ein wichtiges Zeugnis der Industriegeschichte in Tangerhütte.

Die Industriearchitektur, die sich in dieser Gießereihalle und den anderen erhaltenen Werksteilen widerspiegelt, ist sehr Qualität voll mit zeittypischer und solider Gestaltung. Insbesondere ist die große Gießereihalle mit ihrer Schaufassade zur Industriestraße und der Südfassade mit den neun Schmuckfenstern sehr bemerkenswert und für die Gesamtanlage prägend. Sehr beeindruckend ist aber auch der zeitgleich errichtete Gebäudekomplex für die Modelltischlereien mit seinen bis auf das Hauptgerüst nahezu vollkommen verglasten äußeren Fronten. Diese Bauten sind weitestgehend im Originalzustand erhalten. Leider weist die Dachkonstruktion der Gießerei umfassende Bauschäden auf.

Der Aufbau des Eisenwerkes Tangerhütte ist untrennbar mit der Entwicklung des kleinen Ortes Vaethen zum Industriestandort Tangerhütte verbunden. Mit der Errichtung des Hüttenwerkes am rechten Ufer des Tangers ab 1842 und der Inbetriebnahme der Eisenbahnstrecke  Magdeburg – Tangerhütte –Wittenberge ab Juli 1849 kam es zu einem rasanten Wachstum des Bauerndorfes Vaethen. Der Ort verlor seine landwirtschaftliche Prägung und wuchs zu einem wirtschaftlichen Zentrum heran. Im März 1844 wurde mit dem ersten Guss des Hochofens die Produktion von Roheisen und Bauguss aufgenommen.

Die Wandlung vom Hüttenwerk zur Gießerei führte ab 1865 zur Expansion des Werkes und der damit einhergehenden wachsenden Einwohnerzahlen der Ortschaft. 1896 wurden die Anlagen der Gießerei I errichtet. In Ergänzung dazu entstanden werkseigene Tischlereien, ein Holzsägewerk und Anlagen zur Versorgung mit Elektroenergie.

Neben dem Bau von Produktionsgebäuden wurden auch Wohngebäude für Teile der Belegschaft in unmittelbarer Nachbarschaft zur Werksanlage errichtet, die sogenannten Kutscherhäuser, aber auch Wohnhäuser für Arbeiter und Meisterhäuser. Zur Versorgung wurde ein landwirtschaftlicher Gutshof angelegt. Mit der Bereitstellung der Kinderbewahranstalt, der Bibliothek, der Kegelbahn und des Schützenhauses bekam der Betrieb eine wichtige soziale Komponente hinzu.

Im Zuge der wirtschaftlichen Entwicklung des Eisenwerkes erfolgte die Gestaltung der Parkanlage mit zwei Erweiterungsphasen. Der Park diente nicht nur der Fabrikantenfamilie zur Repräsentation und Erholungszwecken, sondern wurde ebenso als Ausstellungsraum für Gießereierzeugnisse genutzt und stand den Werksangestellten als Erholungsraum zur Verfügung.

Die Fabrikantenfamilie von Wagenführ errichteten nacheinander drei separate Wohnhäuser, die erste Villa (1864, nach Brand abgetragen), das Alte Schloss (1873/74) sowie das Neue Schloss (1909-1911) im Park.

So wuchs unabhängig von der Ortslage Vaethen im Laufe weniger Jahre das Werksgelände mit den zum Fabrikbesitz gehörenden Bestandteilen zu einem separaten Stadtteil heran. In der Zeit von 1850 bis1934 entstanden in der Ortschaft weitere öffentliche Einrichtungen wie die Schule (1909/1910), das Rathaus (1905), das Freibad (1925), der Schießplatz und das Gaswerk.

Der Betrieb selbst entwickelte sich aufgrund seiner weitreichenden und bedarfsorientierten Produktionspalette zu einer bedeutenden Handelsgießerei und vertrieb seine Produkte überregional als auch international.

Im Jahr 1935 erhält Tangerhütte das Stadtrecht und ist damit noch heute die jüngste Stadt in der Altmark.

22.09.2015

© Dörte Lange E-Mail

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