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eCall wurde in der Integrierten Rettungsleitstelle Altmark erfolgreich getestet

Notruf-Taste im PKW, mit der ein eCall manuell ausgelöst werden kann

Anfang September 2017 testeten zehn Techniker eines deutschen Automobilherstellers gemeinsam mit der Integrierten Leitstelle Altmark (ILS) die automatische Auslösung eines Notrufs aus einem Unfall-PKW heraus (eCall). Getestet wurde, wie das Signal in der Leitstelle ankommt und dort verarbeitet wird. Ab 2018 wird eCall schrittweise in alle neuen Modelle eingebaut.

Bei einem Autounfall mit Personenschaden kommt es auf jede Sekunde an. Wertvolle Zeit verstreicht oft, weil Verletzte ihr Telefon nicht mehr selbst bedienen können und Helfer gar nicht oder erst sehr spät an der Unfallstelle sind.

Hier setzt die „eCall-Richtlinie“ der Europäischen Union an. Wird zukünftig bei einem entsprechend ausgestatteten Fahrzeug nach  einem Autounfall beispielsweise der Airbag ausgelöst, dann wählt das System selbständig die europaweite  Notrufnummer 112 und setzt einen emergency call (automatischer Notruf) ab. Über das Mobilfunknetz wird eine Sprachverbindung zur nächstgelegenen Rettungsleitstelle aufgebaut. Parallel dazu werden sofort wichtige  Fahrzeugdaten an die Leitstelle übertragen. Der Leitstellendisponent kann somit über die Freisprechanlage des Fahrzeuges mit den Insassen sprechen. Ist aufgrund der Schwere der Verletzungen keine Verständigung möglich, kennt die Leitstelle die Position des Unfalls, die Anzahl der Fahrzeuginsassen, Typ, Antriebsart und  Fahrtrichtung des PKW. Mit Hilfe dieser Daten können Rettungskräfte jetzt schneller alarmiert  und mit wichtigen Informationen versorgt werden.

In allen neu entwickelten PKW und leichten Nutzfahrzeugen, für die nach dem 31.03.2018 eine Typzulassung beantragt wird, muss so ein eCall-Auslöser eingebaut sein. Die Autohersteller werden somit alle Modelle, die ab dem 2. Halbjahr 2018 neu auf dem Markt erscheinen, mit eCall ausrüsten.

Aber auch die Gegenseite muss natürlich ertüchtigt werden. Damit ein automatischer Fahrzeugnotruf in der Leitstelle empfangen, ausgewertet und bearbeitet werden kann, sind auch hier die technischen Voraussetzungen zu schaffen. Deshalb haben die beiden Landkreise der Altmark im ersten Halbjahr 2017 45.000 Euro für neue Hard- und Softwaretechnik in die gemeinsame Integrierte Leitstelle (ILS) investiert.  Nach dem Abschluss der Installation stand der Landkreis Stendal jedoch vor dem Problem, dass die Funktionsfähigkeit nicht praxisnah getestet werden konnte. Denn es existiert noch kein Serienfahrzeug, welches mit dem Euro-eCall ausgestattet ist. Zwar gibt es schon Automodelle, die mit einem herstellerspezifischen Notrufsystem ausgerüstet sind. Diese Notrufe kommen jedoch in einem Callcenter und nicht in den regionalen Rettungsleitstellen an.

Um trotzdem testen zu können, nahm der Landkreis Stendal Mitte des Jahres Kontakt zu einem deutschen Automobilhersteller auf und fragte nach der Möglichkeit, so eine Überprüfung mit einem Entwicklermodell durchzuführen. Mit dieser Anfrage landete er einen Volltreffer – denn der Hersteller hatte bisher keine Leitstelle in Deutschland gefunden, die bereits über einen voll funktionsfähiges eCall-Empfangsystem  verfügt. Die Ingenieure mussten bisher für Tests immer bis nach Luxemburg fahren. Begeistert wurde deshalb die Einladung angenommen, für einen ausführlichen Probelauf nach Stendal zu kommen.

Anfang September reisten zehn Experten an, die sich im Unternehmen seit Jahren mit der Entwicklung der eCall-Einheit beschäftigen. Mit dabei hatten sie zwei PKW, in die solche Geräte bereits eingebaut waren. Im Stendaler Hufelandhaus wurden sie von Sebastian Stoll, zweiter Beigeordneter des Landrates, und Matthias Wollenheit, Leiter der ILS Altmark, empfangen. Nachdem der Testablauf besprochen wurde, ging es sofort in die Praxis über.

Zuerst wurde in einem der PKW der Notruf manuell ausgelöst. Eine entsprechende Taste gehört künftig in allen eCall-fähigen Autos zur Ausstattung dazu. Der Notruf kam in der Rettungsleitstelle an und konnte erfolgreich entgegengenommen werden. Dann zeigten sich jedoch die ersten Schwierigkeiten: Das Einlesen der Daten in das Leitstellensystem funktionierte nicht korrekt. Solche Anlaufprobleme hatten die Leitstellentechniker aber auch erwartet. Deshalb waren der Hersteller des eCall-Dekoders und Servicetechniker für die Leitstellensoftware per Fernwartung dazugeschaltet.

An  vier Orten  gleichzeitig wurde  an diesem Tag über mehrere Stunden  reibungslos zusammengearbeitet. Einstellungen wurden geändert, Updates eingespielt, Fahrzeuggeschwindigkeit, Fahrtrichtung und Anzahl der Insassen wiederholt gewechselt, Airbag-Auslösungen simuliert und parallel immer wieder manuelle und automatische Notrufe ausgelöst. Ziel war es, alle notwendigen Systemparameter zu testen. Das Resultat der gemeinsamen Bemühungen wurde zum Abschluss anhand einer Konformitätsbewertung überprüft. Dies ist eine 10 Punkte umfassende Checkliste, welche alle Funktionen beinhaltet, die durch ein eCall-System gewährleistet werden müssen. Von diesen 10 Punkten waren letztendlich am Ende dieses Testtages bereits neun Anforderungen erfüllt.

Der Landkreis Stendal und die Automobilexperten äußerten sich zufrieden mit dem Ablauf dieser sehr intensiven Überprüfung des Zusammenspiels zwischen einem Unfall-PKW und der Leitstelle. Stoll: „Wir konnten uns heute davon überzeugen, dass eCall in der Praxis funktioniert und mit dazu beitragen kann, Menschenleben zu retten. Die Tests haben gezeigt, dass die ILS Altmark bereit ist, automatische Notrufe anzunehmen und die richtigen Maßnahmen einzuleiten. Bürger, die mit einem eCall-Auto in der Altmark unterwegs sind oder die künftig auf der A 14 unseren Landkreis durchqueren, können sich sicher sein, dass Ihnen im Notfall so schnell wie möglich geholfen wird.“

Beide Seiten haben bekundet, dass sie die gemeinsamen Tests fortsetzen werden. Wenn die ersten Autos mit eCall auf den Straßen der Altmark rollen, wird das System fehlerfrei funktionieren. Darin waren sich alle einig.

17.10.2017

© Edgar Kraul E-Mail

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